Bad Langenbrücken

Unter den 3000 Seelen in Bad Langenbrücken ist der Teufel los", schrieben wir vor einem Jahr ("Wenn der Pastor Karten spielt... Mit den Schäfchen ins Wirtshaus... Ist Pfarrer Weinschenk zu modern? ZEIT Nr. 31/69). Der Teufel ist noch immer los, und das Schwefelbad im Kreis Bruchsal hat sich inzwischen einen Platz in den Annalen der katholischen Kirche gesichert: Die Sache des Pfarrers Weinschenk ist vor der S. Congregatio pro Clericis im Vatikan anhängig. Ihm droht wegen Ungehorsams der Ausschluß aus dem Klerus. Aber nicht genug, daß sich die Kirchenjuristen des Falles Langenbrücken annehmen, der Fall hat politische Dimensionen angenommen.

Es sei kurz wiederholt, worum es in Langenbrücken geht.

Im Januar 1966 wurde Pfarrverweser Kurt Weinschenk mit der Pfarrei St. Vitus in Bad Langenbrücken betraut. Sein Vorgänger gab ihm im Gemeindeblättchen die besten Segenswünsche mit auf den Weg und schrieb: "...bekanntlich ist die einem Pfarrer hier gestellte Aufgabe nicht einfach."

Die Wahrheit dieses Wortes erwies sich nur allzu bald. Pfarrverweser Weinschenk geriet – wie eine Gruppe von Kirchenmitgliedern an den Erzbischof in Freiburg schrieb – in "soziologisch, politisch und sozial bedingte Gegensätze", die in der Gemeinde seit Jahren vorhanden sind. Mit anderen Worten, Weinschenk machte sich bei den politischen Honoratioren der Stadt unbeliebt. Generalvikar Föhr rügte dann auch sofort das Verhalten seines Pfarrverwesers und schrieb ihm: "... haben wir doch den Eindruck gewonnen, daß Sie sich verschiedentlich gegenüber den örtlichen politischen Autoritäten Verletzungen der gebotenen Umgangsformen haben zuschulden kommen lassen. Wir ersuchen Sie daher dringend, sich in Zukunft um eine bessere Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde zum Wohle der ganzen Gemeinde und auch der Seelsorge... zu bemühen."

Doch Weinschenk fühlte sich im Recht, und die Langenbrücker CDU-Honoratioren nahmen dem unbotmäßigen Pfarrer weiter übel, daß er mit der Jugend Karten spielte, mit ihnen Bierkrüge leerte und angeblich eine Christmette in angetrunkenem Zustand zelebriert hatte. (Diese letzte Verleumdung wurde mit einem am 12. Oktober vom Amtsgericht Karlsruhe gefällten Urteil aus der Welt geschafft. Der Sohn des CDU-Bürgermeisters Kramer wurde wegen Beleidigung und übler Nachrede zu 80 Mark Geldstrafe verurteilt.).

Die Freiburger Oberhirten nahmen Pfarrer Weinschenk zwar wegen des Christmetten-Vorwurfs in Schutz, gaben ihm jedoch schließlich den Laufpaß (Versetzung als Religionslehrer nach Rastatt), weil sie glaubten, nur so den Frieden in der Gemeinde wiederherzustellen. Sie hatten sich gründlich und bis auf den heutigen Tag verrechnet. Die Mehrzahl der Gläubigen stellte sich hinter Weinschenk und besuchte seine Messen, die er fortan im Kursaal las. Der Freiburger Erzbischof wurde deutlich und belegte Kurt Weinschenk "wegen fortgesetzten öffentlichen Ungehorsams zu schwerem Schaden der Gläubigen mit der kirchlichen Strafe der Suspension ... Katholiken dürfen Sie in keiner Weise für eine priesterliche Handlung in Anspruch nehmen, widrigenfalls verfehlen Sie sich schwer gegen den der Kirche schuldigen Gehorsam".