Von Rolf Diekhof

Ein knappes Jahr war Robert E. Slater (54) ohne Arbeit, dann übernahm er kurzentschlossen den riskantesten Job, der in der Finanzwelt gerade zu haben war: Slater wurde am 1. November neuer IOS-Präsident. Und so umschreibt der nach Cornfeld und Sir Eric Wyndham White dritte Präsident in einem Wort seine Hoffnungen für IOS: "Erneuerung."

Eine Basis für die Erneuerung hat sich Slater durch gründliche "Machtergreifung" gesichert – eine ähnliche Häufung von IOS-Ämtern hatte bisher nur Altpräsident Cornfeld geschafft. Das Ergebnis: Die beiden wichtigsten IOS-Bereiche, die kanadische Holding und die auf den Bahamas beheimatete Hauptvertriebsgesellschaft werden von Slater dirigiert.

IOS-interne Voraussetzung für einen Erfolg Slaters aber bleibt trotzdem das Arrangement mit dem zweiten mächtigen Amerikaner im IOS-Imperium – mit Multimillionär Robert L. Vesco (34). Vesco half IOS mit einer Kreditspritze aus der Liquiditätsklemme. Als Gegenleistung sicherte er sich und seinem Manager Dr. Milton Meissner jeweils drei Schlüsselpositionen bei IOS. Außerdem wird Vesco als einziger der neuen IOS-Machthaber auch bald IOS-Großaktionär sein – vorausgesetzt, er nutzt die ihm eingeräumten Bezugsrechte aus.

Der Engländer Sir Eric Wyndham White, der die undankbare Rolle des Interim-Präsidenten übernommen hatte und Cornfeld wieder ins IOS-Direktorium zurückholen mußte, behält mit Sitz und Stimme in den drei wichtigsten IOS-Gremien weiterhin, einigen Einfluß. Seine Hausmacht soll im middle-management zu suchen sein – bei den "jungen Harvard-Leuten".

Gegenüber diesen drei "starken Männern" erscheinen Cornfeld und seine alte Garde ein wenig unterrepräsentiert. Trotzdem hat der "Geldmacher vom Genfer See" nicht ausgespielt: Er ist noch immer einer der mächtigsten IOS-Aktionäre.

Mögliche Rivalitäten zwischen diesen Gruppen sind der Sprengstoff, mit dem Slater leben muß. In München gab sich der neue Präsident in dieser Hinsicht optimistisch: "Als ich das Amt übernahm, habe ich viele Dinge festgelegt – und ich wurde einstimmig gewählt." Nach den Direktorenbeschimpfungen der letzten Zeit ist Einstimmigkeit bei IOS eine gute Nachricht.