Die Russen sind als die pünktlichsten und zuverlässigsten Zahler in der Welt bekannt. Die Russen haben aber auch den unumstrittenen Ruf, äußerst harte Verhandlungspartner zu sein. Sie werden dies wieder unter Beweis stellen, wenn es um den Vertrag über den Bau der Lastwagenfabrik an der Kama geht.

Nicht allein um den Preis wird gefeilscht werden, sondern auch um den Zins für den Milliardenkredit, den die Russen vom Westen haben wollen, um damit das Werk bezahlen zu können. Vielleicht werden die Verhandlungen um den Zins noch härter sein, der in marxistischer Sicht eine "Ausgeburt des kapitalistischen Systems" ist.

Die Sowjets wollen, das scheint schon heute festzustehen, auf keinen Fall den hohen Marktzins zahlen, den jedes westliche Land oder Unternehmen tragen muß, wenn es Kredit haben will. Dabei ist offen, ob sie es aus ideologischen Gründen ablehnen, diesen "ausbeuterischen" Zins zu zahlen oder ob sie in der Vorstellung verfangen sind, daß man auch beim Zins eine Art Mengenrabatt bekommen kann.

Wenig mehr als sechs Prozent sind für sie offenbar das Maximale, was man mit gutem Gewissen für einen kapitalistischen Kredit zahlen sollte, rund drei Prozent weniger als der Markt zur Zeit verlangt. Bei einer Millarde Kredit betrüge diese Differenz immerhin runde dreißig Millionen Mark.

Bei dem Geschäft "deutsche Röhren gegen russisches Gas" haben sich die Sowjets schon einmal in den Kreditverhandlungen – durchsetzen und einen relativ niedrigen Zins von wenig mehr als sechs Prozent erreichen können.

Die deutschen Banken haben diesen Vorzugszins für das sehr langfristige Geschäft damit zu erklären versucht, daß auf lange Sicht der Zins ja doch wohl fallen werde und man daher getrost einen Mischsatz aus hohem Gegenwarts- und niedrigem Zukunftszins wählen könne. Nach einer anderen Lesart sollen die deutschen Lieferfirmen bereit gewesen sein, die Zinsdifferenz aus ihrer Gewinnspanne den Banken zu vergüten.

Auch diesmal hat Wirtschaftsminister Karl Schiller den Russen, erklärt, daß eine, staatliche Zinssubvention ausgeschlossen ist. Und zur Untermauerung seiner These braucht der Minister den Russen nur eine Kopie des Haushalts für 1971 vorzulegen.