Trotz Supermärkte und klimatisierter Kaufhöfe, die Zeit der Marktschreier ist noch längst nicht vorbei. Ob sommers oder winters, sie stehen an verkehrsgünstigen Punkten (meistens im Wege) und versammeln stets eine erkleckliche Zahl von Zuhörern um sich. Ob sie nun Blasen anpreisen oder Reinigungsmittel, Haarteile oder Gemüsemesser, den lachenden Sack oder Kunststoffblumen, Bananen oder Aale – sie tun es stets mit höchster Lautstärke und in einer Geschwindigkeit, gegen die Pater Leppich wie ein rostendes Maschinengewehr wirkt.

Obwohl allenthalben Schutz vor Lärm gesucht wird und die Umweltforscher für unsere Städte saubere Luft und mehr Ruhe fordern, versammelten sich die berufsmäßigen Schreier in Berlin zum ersten Marktschreierwettbewerb. Die Phonstärken, die dabei gemessen wurden, entsprachen denen einer kompaniestarken Gänseherde. Am lautesten und eindrucksvollsten schrie schließlich der 31jährige Parfüm-Harald aus München: "Seife fürs Popöchen" (unser Bild). Er schlug knapp den Hamburger Bananen-Harry. Erster Preis: 2000 Mark und eine silberne Flüstertüte.

Berlin selbst, die Stadt mit der größten Schnauze – wie es in allen Lese- und Bilderbüchern heißt – mußte passen. Sie richtete zwar auf ihren Märkten die Schreier-Olympiade aus, konnte aber eine große Klappe nicht präsentieren. Erst auf dem achten Platz landete eine Berlinerin. Wie bescheiden ist doch Berlin geworden... v. K.