In Chile formiert sich die Rechtsopposition gegen den neuen Präsidenten Allende. Seine Kritiker sammeln sich um den 32jährigen Rechtsanwalt Rodriguez Grez, der nach der Ermordung des Oberbefehlshaber der chilenischen Armee, General Schneider, vorübergehend festgenommen worden war. Zwei Attentatsversuche auf Allende sollen gescheitert sein.

Der chilenische Staatspräsident, der am Dienstag sein Amt antrat, konnte erst am Wochenende nach internen Auseinandersetzungen seine Regierung vorstellen. Drei Ministerämter fielen an die Kommunisten, vier an die Sozialisten und die übrigen Posten an die vier anderen, in der Unidad Popular zusammengeschlossenen Parteien.

Mit aller Schärfe hat Allende den Verdacht zurückgewiesen, er werde Chile auf den Weg zum Kommunismus führen. Dagegen sollen die 12 000 Volksfrontausschüsse, die während des Wahlkampfes gebildet wurden und in der Mehrzahl von Kommunisten beherrscht werden, als "politische Schulen" weiterbestehen. Die neue Rechtspartei hat dem – auffallend gemäßigten – Regierungsprogramm Allendes den Kampf angesagt.

Auch Ekuador sieht unruhigen Monaten entgegen. Die Entführung des Luftwaffenchefs von Ekuador, General Cesar Rohon Sandoval, kündigt eine wachsende Opposition gegen das Regime des heute 67jährigen Präsidenten José Velasco Ibarra an, der seit Juni des Jahres mit diktatorischen Vollmachten herrscht und nach der Entführung das Kriegsrecht über das Land verhängte.

Ekuador, mit rund 270 000 Quadratkilometern das zweitkleinste Land Südamerikas, ist ein traditionell unruhiger Staat. Seit 1830 gab er sich 27 Verfassungen und erlebte noch mehr Putsche. Von den 5,5 Millionen Einwohnern sind 40 Prozent Mestizen, 40 Prozent Indianer, 10 Prozent Neger und Mulatten und nur 10 Prozent Weiße. Etwa 30 Prozent sind noch Analphabeten. Die rein agrarische Wirtschaft konnte trotz kostspieliger Entwicklungsprogramme weder verbessert noch umgestellt werden; die jährliche Zuwachsrate liegt bei knapp. 1 Prozent.

Die Schlüsselfigur in den wirtschaftlich begründeten Unruhen ist der persönlich integre Präsident Velasco – Ibarra. Am 1. September 1968 übernahm er zum fünftenmal seit 1934 die Präsidentschaft; nur eine – von 1952 bis 1956 – brachte er regulär zu Ende; dreimal stürzte ihn das Militär. Obwohl er in seiner 1952 gegründeten Partei Federacion Nacional Velaquista Unterstützung, aus allen Schichten findet, gelang es ihm bis jetzt nicht, der Wirtschafts- und Finanzkrise Herr zu werden.

Im Mai des Jahres war das Defizit auf die Hälfte des Budgets angewachsen. Da das Parlament drastischen Maßnahmen kurz vor Sessionsschluß nicht zustimmen wollte, erließ Ibarra ohne Zustimmung neue Finanzgesetze, die der Oberste Gerichtshof zu Recht als verfassungswidrig bezeichnete.

Die Militärs, durch eine Generaljunta von 1963 bis 1966 kompromittiert, schlugen sich ausnahmsweise auf die Seite des Präsidenten und bewogen ihn, mit ihrer Unterstützung weiter im Amt zu bleiben. Die Entführer des inzwischen unverletzt freigelassenen Luftwaffenchefs Rohon Sandoval forderten denn auch, zu verfassungsmäßigen Zuständen zurückzukehren und den Verteidigungsminister Jorge Acosta Valesco, einen Neffen des Präsidenten, zu entlassen. Hinter der Entführung soll eine durch "Blut und Tränen" zusammengekommene Gruppe "überzeugter Nationalisten" stehen.