Für die Mächtigen dieser Welt ist das Christentum, das die landläufigen Wertvorstellungen von den Ersten und den Letzten auf den Kopf stellt, immer eine Anfechtung gewesen. Das war schon zur Zeit der Pharisäer und Schriftgelehrten so.

Ein Mann, der heute die Reichen und Mächtigen anklagt – die "internen Neokolonialisten" der Dritten Welt ebenso wie den "externen Kapitalismus" und auch den "sowjetischen und rotchinesischen Imperialismus" –, hat es dieser Tage sehr schwer: der brasilianische Bischof Dom Helder Câmara. Er war jahrelang auf dem Konzil in Rom die Schlüsselfigur der Dritten Welt. Er, der aus seinem Palast ausgezogen ist und in zwei Zimmern wohnt, fordert, statt Prunkbauten zu errichten, denen zu helfen, die zu kurz gekommen sind.

Der regierungstreue Klerus Brasiliens stempelt ihn zum Kommunisten: Erzbischof Geraldo Sigaud schrieb an den Bischof von Münster, Heinrich Tenhumberg: "Câmara öffnet in Lateinamerika dem Kommunismus die Pforten, indem er anscheinend den Frieden predigt, billigt und fördert er die Guerillas ..." Aber Sigaud hatte den Adressaten falsch gewählt: Die deutschen Bischöfe zogen ihren Antrag auf Zuerkennung des Nobelpreises nicht zurück. Hoffentlich zeigt das Auswärtige Amt, das durch die Einladung Câmaras Schwierigkeiten bekommen hat, ebensoviel Rückgrat. Dff