Costa-Gavras’ neuer Film "Das Geständnis" – und was er nicht zeigt

Von Wolf Donner

Die Filme des in Frankreich lebenden Exilgriechen Costa-Gavras haben offensichtlich einen ähnlichen Stellenwert wie die Theaterstücke von Rolf Hochhuth: Sie stoßen in politische Wespennester, werden verboten oder wütend verfolgt und setzen Diskussionen in Gang, die bis in Parlamente und Regierungen dringen, während die Fachkritik mit ihren Beanstandungen dieser unleugbaren Effektivität nichts anhaben kann.

Bei "Z" war es noch relativ einfach: Man war gegen das Obristen-Regime und für die kommunistische Opposition, konnte sich also auf die Diskussion zurückziehen, ob Thriller oder nicht, politische Aufklärung oder nicht. Der neue Film "Das Geständnis" macht die Stellungnahme komplizierter, weil hier die Diskussion ins linke Lager selbst getragen und eine Phase des Kommunismus dargestellt wird, die mit der Bezeichnung "Stalinismus" nur scheinbar als historisch abgetan, im Grunde aber so aktuell wie eh und je ist.

Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Buch von Artur London (deutsch: "Ich gestehe", Hoffmann und Campe Verlag), einer Schilderung monatelanger Foltern und Verhöre während der tschechischen Säuberungsaktionen und des berühmten Slansky-Prozesses.

Tortur für den Zuschauer

Londons Vita ist wohl bekannt: Geboren 1915, seit dem vierzehnten Lebensjahr Kommunist, Kampf in den internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg, ab 1940 im französischen Widerstand, 1942 verhaftet, 1944 in das KZ Mauthausen deportiert, 1949 Rückkehr in die ČSSR und Beförderung zum stellvertretenden Außenminister; 1951 wurde er verhaftet, im Schauprozeß von 1955 zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, im Jahr darauf entlassen und ein weiteres Jahr später rehabilitiert, London, der seit 1963 in Paris lebt, kam mit seinem Buch 1968 gerade in dem Augenblick nach Prag, als die Warschauer-Pakt-Truppen einmarschierten.