Englands Rennfahrer Stirling Moss begrüßte den neuen Treibstoff "als einen entscheidenden Beitrag zur Reinerhaltung der Luft". Der Schweizer Formel-II-Meister Xavier Perrot war ebenfalls überzeugt, daß der neue Kraftstoff "Motoren sauber hält und Rückstände in alten Motoren abbaut".

Der deutsche Jungsozialist Karsten Voigt ist ganz anderer Meinung. Der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten und hessische Landtagskandidat der SPD im Frankfurter Westend hält das neue Benzin für einen Betrug.

Bei dem so unterschiedlich beurteilten Benzin handelt es sich um die Marke Chevron mit dem neuen Wirkstoff F-310, ein Produkt der Firma Chevron, die eine Tochtergesellschaft der mächtigen US-Standard Oil of California ist. Seit Monaten werben die Chevron-Manager mit vielfältigen Slogans in Broschüren und Zeitungsanzeigen "Chevron mit F-310 bewirkt: weniger unverbrannte Kohlenwasserstoffe und weniger Kohlenmonoxyd im Abgas. Daher reinere Luft auf unseren Straßen, die jedenhahn zum Leben braucht." Als weitere Vorzüge von Chevron mit F-310 werden gerühmt: saubere Motoren und mehr Kilometer.

Jungsozialist Karsten Voigt und seine Mitstreiterin Dorothee Vorbeck halten solche Werbesprüche allerdings für einen betrügerischen Trick der amerikanischen Kraftstoff.-Firma, um mehr Benzin abzusetzen und den eigenen Marktanteil zu vergrößern. Voigts Konsequenz: Er reichte beim Landgericht in Frankfurt eine Strafanzeige wegen Betrugs gegen die Firma Chevron ein.

Voigt: "Einen Betrug gegenüber den Tankstellenkunden sehe ich deshalb für gegeben, weil der Verbraucher durch die falschen Angaben der Werbung über die Eigenschaften und die wirklichen. Qualitäten des angebotenen Benzins getäuscht wird ... Die Verbraucher erleiden inso-– weit einen Vermögensschaden, als sie auf Grund der irreführenden Werbung vom Kauf anderer qualitätsgleicher, aber preisgünstigerer Produkte absehen ... Die Strafverfolgung dieser betrügerischen Werbemethoden liegt im öffentlichen Interesse, weil der Verbraucher vor solchen Auswüchsen geschützt werden muß."

Die Gebietsdirektion der Firma Chevron in Frankfurt fühlt sich von solchen massiven Vorwürfen allerdings nicht getroffen. Public-Relations-Manager H. H. Kunckel meinte: "Wir können darüber nur lachen."

Im übrigen verwahrt sich Chevron gegen die Anschuldigungen und behauptet nach wie vor, ihre Reine-Luft-Werbung sei kein Werbebetrug und führe nicht zur Irreführung des Verbrauchers. Die Chevron-Schlagworte "Mehr Kraft, mehr Kilometer, reinere Luft" beruhten vielmehr auf Tatsachen, die wissenschaftlich erhärtet seien.