Von François Bondy

Kurz vor seinem Tod – Witold Gombrowicz starb fünfundsechzigjährig Ende Juli 1969 in Vence – hat der Exilpole und eingebürgerte Argentinier, dessen später Ruhm von seiner letzten Wahlheimat Frankreich ausgehen sollte, einem amerikanischen Professor der Theaterwissenschaft Antworten auf recht pedantische Fragen geschickt.

Von seinen eigenen Stücken behauptete er bündig, sie hätten weder mit Symbolismus noch mit "Neuem Theater" zu tun, und er sei "überhaupt gegen den Ton der zeitgenössischen Literatur". Seit dreißig Jahren sei er in keiner Vorstellung gewesen, und er würde sich hüten, einem Regisseur dreinzureden. Auf die Frage, was für ihn der ideale Theaterraum wäre, antwortete Gombrowicz (und man meint da, seine näselnde Stimme zu hören): "Ein gewöhnliches, ziemlich großes Theater mit guter Akustik." Der Befrager hatte etwas vom letzten Schauspiel gehört und wollte wissen, ob es sich wirklich um eine Operette handle. Antwort: "Ich habe nicht eine Operette, sondern eine Tragikomödie in Form einer Operette geschrieben." Ebenso präzis antwortete Gombrowicz auf die letzte Frage, was denn seine nächsten Pläne seien. "Das Grab."

Das ist das letzte Wort der über siebzehn Jahre reichenden Aufzeichnungen geblieben –

Witold Gombrowicz: "Die Tagebücher 1953 –1969", aus dem Polnischen von Walter Tiel; Verlag Günther Neske, Pfullingen; 3 Bände, zus. 1044 S., pro Band 12,80 DM.

In Briefen schilderte er damals seine zahllosen Krankheitssymptome, meinte aber in Wahrheit, er würde lange genug leben, um sich durch ein ganz überraschendes Werk zu erneuern. "Ich bin halb Fertigprodukt, halb tickende Bombe", hatte er mir früher in einem Gespräch gesagt.

Nun ist er ganz Fertigprodukt, auch wenn sich durch die Veröffentlichung einiger Schriften und Korrespondenzen – namentlich jener mit dem Maler Jean Dubuffet – unsere Kenntnis von ihm noch erweitern wird. Er ist fortan, was er war oder was seine Wirkung, was die Reaktionen auf seine Bücher aus ihm machen mögen.