Die Nahost-Debatte der Vereinten Nationen hat, wie schon vor Beginn, befürchtet, keine Entschärfung des israelisch-arabischen Konflikts bewirkt. Beide Seiten zeigten keinerlei Kompromißbereitschaft, sondern präzisierten ihre alten Forderungen unter heftigen Vorwürfen an die Adresse des Gegners. Ägypten und Israel wollen trotzdem den Waffenstillstand verlängern. Kairo warnte allerdings, es werde einen permanenten Waffenstillstand am Kanal nicht akzeptieren.

  • Die Debatte hatte sich über die Frage einer neuen Nahost-Resolution zugespitzt, die 16 afroasiatischen Länder einbringen wollten. Darin wird zwar Bezug auf die Resolution des Sicherheitsrates vom November 1967 genommen, aber vorrangig die "Unzulässigkeit gewaltsamer territorialer Aneignung" betont und als neues Element die "unveräußerlichen Rechte" der Palästinenser ins Spiel gebracht. Zudem wird Israel aufgefordert, bedingungslos die Jarring-Gespräche fortzusetzen.

Jerusalem sah darin ein Abgehen von der "balancierten Formel" der Sicherheitsresolution und eine Mißachtung seiner Vorwürfe gegen Ägypten. Einem amerikanischen Gegenantrag, der Israel, Jordanien und Ägypten eine Verlängerung der Waffenruhe empfiehlt, hat Jerusalem trotz schwerwiegender Bedenken – die ägyptischen Verletzungen des Waffenstillstands bleiben ausgeklammert – im Hinblick auf die nötige militarische und wirtschaftliche Hilfe durch die USA zugestimmt.

Inzwischen bemühen sich 23 lateinamerikanische Staaten um eine Vermittlung, da es sicher scheint, daß die Vereinigten Staaten die Sperrminorität eines Drittels der UN-Mitglieder gegen die afroasiatische Resolution aufbringen könnten. Sorge und Kritik hat in Israel die Rede des britischen Außenministers Douglas-Home hervorgerufen, der unmittelbar vor dem England-Besuch der Ministerpräsidentin Meir von Israel verlangte, sich auf die Grenzen des 4. Juni 1967 zurückzuziehen.

Aufmerksam werden in Jerusalem auch ägyptische Äußerungen verfolgt, in denen man zunehmend drohende Tone zu erkennen glaubt. In Kairo wurde die Neubildung der Führungsspitze abgeschlossen. Die Politiker Hussein, El-Shafei und Ali Sabri wurden zu Vizepräsidenten berufen. Ministerpräsident Fausi bezeichnete die militärische Stärkung seines Landes als vorrangig.