Zum erstenmal erprobt wurde es auf einem Sportplatz der Harvard-Universität. Dann bekamen es Japaner, Koreaner, Vietnamesen am eigenen Leib zu spüren; es hat in Japan mehr Menschen das Leben gekostet als die beiden Atombomben. Die Israelis benutzten es gegen König Husseins Arabische Legion. Auch im afrikanischen Busch kennt man das Tod und Panik verbreitende Wort: Napalm, geliertes Benzin, eine der unmenschlichsten Waffen dieses Jahrhunderts. Fernsehen und Illustrierte haben oft genug Aufnahmen napalmverletzter Kinder aus Vietnam gezeigt, deren Gesichter von Narben entstellt, deren Gliedmaßen deformiert waren.

Die Menschheit fürchtet sich vor dem Atomkrieg. Gas- und Bazillenwaffen sind geächtet, doch geliertes Benzin und weißer Phosphor dürfen seit einem Vierteljahrhundert ungestraft auf wehrlose Menschen herabregnen.

Eine deutsche Theologin – zufällig die Tochter des Bundespräsidenten – hat Willy Brandt gebeten, er solle sich für ein Verbot dieser Brandwaffen verwenden. Der Brief wird sicher nicht unbeachtet bleiben, hat doch die Bundesregierung bereits im September 1969 eine weltweite Ächtung der bakteriologischen und chemischen Waffen gefordert. Mit einem Antrag für ein Napalm-Verbot könnte sie jenen Vorschlag wenigstens in einem Punkt erhärten und vielleicht die festgefahrene internationale Diskussion voranbringen.

Solange ein Krieg denkbar bleibt, darf nichts unversucht bleiben, ihn zu humanisieren – auch und gerade von deutscher Seite. Denn die Überlebenden der Feuersbrünste des Zweiten Weltkrieges sind wahrlich – gebrannte Kinder.

kj.