Gemeinsame Fußball-Begeisterung fertigte das Vertrauen: Hans-Peter Meister, Chef der Holsten-Brauerei in Hamburg, und Dr. Willi Hübner,-Chef der Stern-Brauerei C. Funke AG in Essen, begründeten auch darauf, die Zusammenarbeit bei ihrer neuen Tochter, der Kaiser-Brauerei in Hannover. Hübner: "Eine Kooperation ist so gut, wie es die vertragschließenden Parteien wollen. Auf die Personen kommt es an. Und wir haben zueinander uneingeschränktes Vertrauen." Meister ergänzte: "Schließlich sind wir beide fußballbegeistert."

Dem Griff nach der Kaiser-Brauerei dürften indes harte Geschäftsüberlegungen zugrunde liegen. Die Expansion des hannoverschen Unternehmens über Niedrigpreise war Holsten und Stern, beide "preis-bewußte" Brauereien, schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Holsten-Chef Hans-Peter Meister ließ denn auch keinen Zweifel an der Absicht der neuen Partner. Sie wollen weitere "Bierschleudereien" verhindern.

Zu einem Schlag gegen "fremden Einfluß" im bayerischen Revier hat unterdes der Bayer Anton Ernstberger, Vorstandssprecher der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, München, ausgeholt. Zugleich möchte er weiter auf dem Konzentrations-Karussell des deutschen Braugewerbes mitfahren. Über eine Beteiligung an der Wuppertaler Wicküler-Kupper-Brauerei AG hat er die Münchener Löwenbrauerei wieder in bayerische Hände gebracht.

Durch die Kooperation zwischen Holsten und Stern bei Kaiser in Hannover entstand eine Gruppe mit einem Getränkeausstoß von 4,5 Millionen Jahreshektolitern. Dabei ist Holsten mit einem Aktienkapital von 25 Millionen gegenüber Stern mit einem Aktienkapital von elf Millionen der sichtbar stärkere Partner. Unter den neuen Hauptbesitzern – Commerzbank, Stern und Holsten – nimmt die Hamburger Brauerei mit 29 Prozent am 2,7 Millionen-Kapital die dominierende Stellung ein. Demzufolge wird aus ihren Reihen der Kaiser-Vorstand komplettiert.

Die Stern-Gruppe ist bereits über die genossenschaftliche Brauerei Wülfel auf dem hannoverschen Biermarkt vertreten. Wülfel ist Lizenznehmer für "Deutsches Stern-Pils", einer von Stern kreierten überregionalen Biermarke, die ein Gegengewicht zu den Bestrebungen der großen deutschen Brauereigruppen bilden soll, "nationale Biermarken" auf den Markt zu bringen. Der Stern-Erfolg mit seinem Lizenzbier ist bisher allerdings mager. Die Lizenznehmer produzieren zur Zeit jährlich nur 100 000 Hektoliter Stern-Bier.

Zum gleichen Zeitpunkt, da Holsten und Stern beschlossen, mit der Kaiser-Brauerei gemeinsam ein Kind, aufzuziehen, vereinbarten sie einen Kooperationsvertrag, der den Vorständen in der Gestaltung gemeinsamer Zusammenarbeit weitgehend freie Hand läßt. Vorgesehen ist zunächst die gemeinsame Entwicklung einer Marketing-Konzeption, die Sortimentsgestaltung unter Berücksichtigung gemeinsamer überregionaler Konzeptionen, die Aufnahme von Stern-Alt in das Holsten-Sortiment, technische Zusammenarbeit, gemeinsamer Zentraleinkauf und noch einige Dinge mehr.

Ob eine Kooperation jedoch ausreicht, um gegen straff organisierte Brauereimachtblöcke bestehen zu können, wird in der Branche bezweifelt. Kooperation kann nur eine Vorstufe sein. Später müssen die Partner eine Ehe eingehen, die durch gemeinsame finanzielle Interessen verklammert wird. Eine Kooperation von Partnern mit getrennten Kassen bekommt ihre ersten Risse in der Buchhaltung.