DIE ZEIT

Nixon enttäuscht

Das Ergebnis der Kongreß- und Gouverneurswahlen zeigt eine stark zerklüftete politische Landschaft Amerikas, in der sich im nationalen Gesamtbild die beiden Parteien, Demokraten und Republikaner, als etwa gleich stark erweisen.

Die dritte Deutschland-Tour

Lang und steinig sei der Weg zu einer Regelung, sagte Willy Brandt beim zweiten deutschen Gipfeltreffen in Kassel. An diesem Wege ist schon manche Hoffnung verdorrt, manche Illusion verblüht.

Ein "Ärgernis"

Für die Mächtigen dieser Welt ist das Christentum, das die landläufigen Wertvorstellungen von den Ersten und den Letzten auf den Kopf stellt, immer eine Anfechtung gewesen.

Prüfstein Hessen

Die Bonner sozial-liberale Koalition hat den Tiefstand der Melancholie überwunden. Zugleich ist bei der Opposition die überschäumende Aufbruchstimmung, als gelte es jetzt nur noch, die Kanzlerschaft im Handstreich zu erobern, weithin verflogen.

Verleger-Wort

Auch in dieser Ausgabe finden die Leser ein ZEIT-Magazin. Verantwortlich zeichnet noch Hans Gresmann; indes hat der frühere langjährige Chefredakteur der ZEIT und unser aller Freund Josef Müller-Marein, von mir zu Hilfe gerufen, schon ein wenig mitwirken können.

Die Stimme seines toten Herrn

Für die arabische Welt war der Vorgang einmalig: Die ägyptischen Zeitungen veröffentlichten den Brief eines Ministers an seinen Staatschef, in dem er um Entlassung aus seinem Amt bat.

ZEITSPIEGEL

"Wenn man das kapitalistische System mit zwei Molotow-Cocktails vernichten könnte, würde ich sie werfen. Aber ich glaube nicht, daß man das Ziel auf diese einfache Weise erreichen kann.

Zwölf Prozent an Stelle eines Streiks

Mitternacht war längst vorüber. Die Uhren zeigten halb drei. Hoch über Stuttgart, in der Residenz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten, ließ der Hausherr die Gläser füllen.

Während Außenminister Scheel in Warschau verhandelt, bereitet sich Bonn auf neue Gespräche mit Ostberlin vor: Unter der Last der Vergangenheit

Noch brannten die Allerseelen-Kerzen an den Denkmälern der Erschossenen auf Warschaus Straßen, als am Montag zum erstenmal ein Außenminister der Bundesrepublik auf dem Flugplatz der polnischen Hauptstadt landete: Walter Scheel, wohlgemut mit einem Scherz über den Ostwind und einer Floskel über den "historischen Augenblick" auf den Lippen.

Vertrag mit Polen

Aus zwei Quellen ist der Entwurf des deutsch-polnischen Vertrages bekannt geworden. Der NPD-Vorsitzende Adolf von Thadden verlas den Text im Indikativ auf einer Wahlversammlung; der Springer-Inlanddienst brachte ihn im Konjunktiv.

Nach der Denkpause – was tun?

Die Wende in der Deutschlandpolitik der DDR kam überraschend. Am gleichen Tag, an dem Kurt Hager, Mitglied des SED-Politbüros, bei einer Pressekonferenz in Paris neue Gespräche zwischen Bonn und Ost-Berlin als "kaum vorstellbar" bezeichnete, trafen Professor Herbert Bertsch und Rolf Muth, Mitarbeiter des Presseamtes beim Vorsitzenden des DDR-Ministerrates, in Bonn ein, um ebensolche Gespräche zu vereinbaren.

"Nicht deutscher als die Deutschen"

Bundesaußenminister Walter Scheel erklärte Anfang der Woche während seiner Stippvisite in Paris, er sei sich mit seinem französischen Kollegen "völlig einig".

Treff in Helsinki

Ohne großes Aufheben, ohne die sonst gewohnten öffentlichen Segenswünsche des Präsidenten ist die US-Abordnung zu den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT oder Strategie Arms Limitation.

Oberkirchenrat W. Kratz: Geld für die Freiheit!

Ausgerechnet in dem Augenblick, in dem die evangelische Kirche in Deutschland im Begriff ist, ihren Jahrhunderte alten Konfessionshader zu begraben und ernsthaft auf eine Einheit der zwanzig westdeutschen Gliedkirchen hinzuarbeiten, ist neuer Streit in der evangelischen Christenheit ausgebrochen.

Bischof H.-O. Wölber: Geld für den Krieg?

Zweifellos entstammt das ökumenische Ringen um das Rassismusproblem nicht nur einer humanitären Empörung über schreckliche Unterdrückungen, sondern dem begründeten Gefühl, daß an einem neuralgischen Punkt der Weltentwicklung endlich etwas geschehen muß.

Weniger Steuern, höhere Preise

Die Labour-Regierung opferte alles, was sie anfangs an Popularität besaß, auf dem Altar des Götzen "Zahlungsbilanz". Die Konservativen haben sich ein anderes Idol erkoren.

Sentimentale Gesten

Die neue britische Regierung versucht, eine Außenpolitik weltweiter Mitsprache zu betreiben. Verbindungen, die unter Labour aufgegeben wurden, sollen erneuert werden.

Vater Staat - zur Kasse?

Kaum ist der Tarifstreit in der Metallindustrie mit einigem Ach und Krach ausgestanden, da kündigen sich im öffentlichen Dienst die bisher härtesten Auseinandersetzungen an.

Schlappe für Vorster

Die Regierungspartei in Südafrika hat zum zweitenmal innerhalb eines Jahres eine Schlappe hinnehmen müssen. Nachdem die Nationale Partei bei den allgemeinen Parlamentswahlen im April Stimmen und Mandate an die Vereinigte Partei (United Party) verlor, mußte sie auch bei den Provinzwahlen vom vergangenen Mittwoch neun Sitze an die Opposition abgeben.

Kein Weg zurück?

Die Frage nach den in Polen lebenden Deutschen ist durch die deutsch-polnischen Verhandlungen und die Reise des Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes, Walter Bargatzky, nach Warschau aktuell geworden.

Wolf gang Ebert:: Das Modell

Hätte ich das Zeug zum Politiker?" fragte ich Meyer-Häusler, den bekannten Berufsberater. Er rieb sich nachdenklich das Kinn: "Wollen mal einen kleinen Test mit Ihnen machen.

Gebrannte Kinder

Zum erstenmal erprobt wurde es auf einem Sportplatz der Harvard-Universität. Dann bekamen es Japaner, Koreaner, Vietnamesen am eigenen Leib zu spüren; es hat in Japan mehr Menschen das Leben gekostet als die beiden Atombomben.

Giftchemie ohne Geheimnis

Die Genfer Abrüstungskonferenz hat in diesem Jahr lange über den Antrag debattiert, die Herstellung, Lagerung und Erforschung bakteriologischer und chemischer Massenvernichtungsmittel (B- und C-Waffen) zu verbieten.

Die Dritte Welt als Unterwelt

Wenn der Begriff nicht so abgegriffen wäre, müßte man sagen, es sind Opas Lesebücher, aus denen unsere Kinder in den Schulen ihr Wissen über die Dritte Welt beziehen.

Kein Erfolg für Nixon

Bei den "Zwischenwahlen" in den Vereinigten Staaten hat die republikanische Partei Richard Nixons nicht die erwarteten Erfolge erzielt.

Forderungen an Israel

Die Nahost-Debatte der Vereinten Nationen hat, wie schon vor Beginn, befürchtet, keine Entschärfung des israelisch-arabischen Konflikts bewirkt.

Die Opposition gegen Allende wächst

In Chile formiert sich die Rechtsopposition gegen den neuen Präsidenten Allende. Seine Kritiker sammeln sich um den 32jährigen Rechtsanwalt Rodriguez Grez, der nach der Ermordung des Oberbefehlshaber der chilenischen Armee, General Schneider, vorübergehend festgenommen worden war.

Neue Anläufe in der Ostpolitik

Die "Denkpause" in den innerdeutschen Beziehungen ist beendet: Fünfeinhalb Monate nach dem Kasseler Treffen der Regierungschefs Brandt und Stoph wurde überraschend bekanntgegeben, daß der Dialog zwischen der Bundesrepublik und der DDR wieder aufgenommen wird.

Dokumente der ZEIT: Warschau: Bonn sucht Ausschlupf

"Da man sich nun in der Bundesrepublik, auch in den Kreisen der CDU/CSU, bewußt ist, daß heute eine klare Anmeldung von Gebietsansprüchen die Bundesrepublik mit dem Odium eines Friedens- und Entspannungshindernisses belasten würde, versucht man ein bequemes Alibi zu finden und alles auf die Ausweichklausel ‚Wir wollen ja, aber man erlaubt es uns nicht zu verlagern.

Wie spontan war die Empörung?

Der Assistenzarzt Dr. Hans Mausbach, bis zum 10. Oktober am Frankfurter Nordwestkrankenhaus tätig, seither arbeitslos, hat – wenn man seinen früheren Vorgesetzten glauben will – seine ehemaligen Kollegen teils strafbarer, teils ehrloser Handlungen bezichtigt.

Ein Teufelskreis

Dieses System produziert Unselbständigkeit, Karrieristentum um jeden Preis, gebrochenes Rückgrat am Fließband. Der. Assistenzarzt, der unter solchen Bedingungen sich zum Oberarzt hochgekrochen hat, wird als Chefarzt im Kreiskrankenhaus die Last der erlebten Demütigung auf seine neuen, ihm wiederum hilflos ausgelieferten Untergebenen abwälzen.

"Bild" zeugte mit

Wenn im Juli 1971 die Entbindungsstationen der Bundesrepublik überbelegt sein werden, dann wissen wir (auch ganz ohne Allensbach) wenigstens, warum das so ist: Bild hat mit gezeugt.

Krach bei Kühn

Die Woche fing fröhlich an: Das Haus des Ministerpräsidenten wimmelte von Würdenträgern und Journalisten. Wie sich zu später Stunde herausstellte, betrachteten einige durstigen Gäste das Ganze als gelungene Vorfeier; denn Regierungssprecher Fritz Stallberg (SPD) sollte tags darauf auf allerhöchsten Wunsch zum Staatssekretär befördert werden.

Reaktionär in der Robe

Karl-Heinz Dinslage, Senatspräsident am Oberlandesgericht Düsseldorf, gab Anfang dieses Jahres dem Deutschland-Magazin ein Interview.

Kampf um ein bayerisches Rasthaus

Niemanden würde es mehr wundern, wenn auch bei uns unkontrollierte Kräfte die leerstehenden Gebäude demonstrativbesetzten", sagte der Bürgermeister der 3400-Einwohner-Gemeinde Bernau am Chiemsee.

Die größte Klappe

Trotz Supermärkte und klimatisierter Kaufhöfe, die Zeit der Marktschreier ist noch längst nicht vorbei. Ob sommers oder winters, sie stehen an verkehrsgünstigen Punkten (meistens im Wege) und versammeln stets eine erkleckliche Zahl von Zuhörern um sich.

So gastlich sind wir

Wenn ausländische Arbeitnehmer bei uns Gastarbeiter genannt werden, so ist das pure Schönfärberei, zumal die angeblichen Gastgeber ihnen gegenüber kaum als solche auftreten.

Lehmann ging stiften

Eine Groteske braucht nicht geschrieben zu werden, es ist eine: Eckehard Lehmann, 24 Jahre, vorbestraft, verbüßt eine Strafe wegen eines Verkehrsvergehens nur mit Unterbrechungen.

Vergessene Vorläufer

Seit eh und je haben sich die sozialistischen Bewegungen in Deutschland und Frankreich voneinander unterschieden. Die führende Kraft der französischen Linken ist die Kommunistische Partei, sie bekennt sich zu Karl Marx.

Zum guten Schluß zwei Schuß

Die Story war gut gedrechselt: Alter Vater stirbt im Gefängnislazarett; der Sohn zieht als Rächer aus, nein, zwei Söhne, Zwillinge, was die Hüter von "law and order" nicht sogleich bemerken.

Fernsehen: Griechen sind anders

Jetzt plötzlich kann ich es mir sehr genau vorstellen. Ich begreife, wie den Emigranten zumute gewesen sein muß, vor dreißig Jahren in Paris oder Zürich, wenn sie einen Film sahen, der ihnen zeigte, wie es im Lande drinnen angeblich aussah: Der Führer zieht unermüdlich durchs Land, die Regierenden, Söhne des Volkes, nehmen sich der Sorgen kleiner Leute an (Mütterlein strahlt, Landwirt verneigt sich), das parlamentarische Ränkespiel hat ein verdientes Ende gefunden, SA-Männer gehen zur Kirche, die Industrie erinnert sich nationaler Verpflichtung, die Schlote rauchen, es steigt der Export, und mag auch von Demokratie im westlichen Sinn einstweilen noch die Rede nicht sein – hatte sie denn je eine Chance in Deutschland? Und mögen die Lager auch noch so erschreckend anmuten – die Deutschen sind eben anders, schon Karl der Große hat schließlich die Sachsen getötet.

Kunst- und Antiquitätenmesse in München: Spitzenwerte und Ladenhüter

Die Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse, die heuer zum 15. Male den Mitteltrakt des Münchener Hauses der Kunst bis auf den letzten Quadratmeter füllt, ist eine unangefochten institutionalisierte Leistungsschau des Handels mit sicheren, durch Zertifikate abgestützten Werten.

Reaktionen auf den Nobelpreis: Pflichtübung der Autoren in der DDR

Sie stand im Neuen Deutschland vom 29. Oktober, malt in bewegten Worten die "kapitalistische Barbarei" aus und kommt im drittletzten Absatz zur Sache: "In ihm (dem Klassenkampf) läßt sich vieles verwenden: Gehässigkeit und auch Naivität, die schamlose Lüge und auch die bloße Torheit, bedachte Tücke und Unbedachtheit auch, Verleumdung und Irrtum – zu ihm werden viele verwandt: große Gauner und arme Gernegroße, Schreihälse und Einsame, Rädelsführer und Irregeleitete, Journalisten von ‚Bild‘ bis ‚Zeit‘ und Literaturprofessoren, die ein seltsames Bild von der Zeit haben, Amtsrichter und Preisrichter, Leute, die den ‚Konrad-Adenauer-Preis‘ verteilen und Leute, die den Nobelpreis vergeben.

Vladimir Kafka ist tot: Für die Vermittlung gelebt

Wer während der letzten Buchmesse zum Stand des tschechischen Verlags "Mlada Fronta" ging, suchte vergeblich einen, der seit Jahren dort mehr als nur die tschechische Literatur vertrat.

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