Ein Polizist hat mir einen grünen Zettel überreicht, der mich darauf aufmerksam machte, daß auch Beamte Menschen sind. Ferner las ich, daß die Gewerkschaft der Polizei zu einer "Denkpause" aufgefordert hat. Diese Pause fand am 27. Oktober von elf bis halb zwölf statt und sollte "den Politikern, die seit Jahren die Entscheidung vor sich herschieben, den Ernst, der Lage deutlich vor Augen führen".

Aha (so dachte ich), die "Denkpause" ist gut für Politiker. Sie denken zuviel. Unablässig beschäftigt, die Entscheidungen gedankenvoll vor sich herzuschieben, sollen sie einmal eine halbe Stunde Pause machen. "Entspannt Euch!" wünscht die menschliche Polizei. Ruhig auf der Chaiselongue liegen Augen schließen! Eine freundlichere Leere zieht ins Gehirn der Politiker ein. Denkpause.

Aber da sagt der grüne Zettel: "Bitte, denken Sie einmal darüber nach!"

Wie denn? Soll ich darüber nachdenken, daß die Politiker "Denkpause" machen? Sie pausiereh? Ich denke? – Für sie?

An der St.-Georg-Kirche war ein Plakat.. Das lud zum "Abschiedsgottesdienst" ein. Durch den grünen Polizeizettel stutzig gemacht, dachte ich: Was ist passiert? Sollte etwa die Christmette in modernem Deutsch "Ankunftsgottesdienst" heißen, so wüßte ich, was ich unter "Abschiedsgottesdienst" zu verstehen habe. Bald ist Advent. Hoffentlich kommt Gott wieder.

Vielleicht ist alles anders zu verstehen: Nicht Gott verabschiedet sich, sondern wir, die Gläubigen. Oder wenigstens der Herr Pfarrer. Andererseits könnte das Wort "Denkpause", auf Politiker angewendet, auch bedeuten, daß die Herrschaften, die das ganze Jahr nicht denken, einmal eine halbe Stunde lang ihr bißchen Grips anstrengen.

"Laßt uns eine Arbeitspause machen", sagte ich zu meinen lieben Mitarbeitern. Sofort sprangen sie auf. Und wir schufteten wie Akkordmaurer. Eine halbe Stunde lang.