Bei den "Zwischenwahlen" in den Vereinigten Staaten hat die republikanische Partei Richard Nixons nicht die erwarteten Erfolge erzielt. Trotz des starken persönlichen Einsatzes des Präsidenten im Wahlkampf konnten die Republikaner nur geringfügige Veränderungen in der Zusammensetzung des Repräsentantenhauses und des Senats erreichen. Nixon wird auch während der nächsten zwei Jahre gegen eine Mehrheit der Demokraten in beiden Häusern des Kongresses regieren müssen.

In den "Zwischenwänden" mußten alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses neu bestimmt werden. Außerdem, standen 35 der insgesamt 100 Senatoren, die Gouverneure in 35 und die Kongresse in 45 der 50 Staaten der USA zur Wahl.

Im Senat saßen zuletzt 43 Republikaner und 57 Demokrater. Von den 35 neu zu vergebenden Mandaten waren bisher 10 von den Republikanern und 25 von den Demokraten besetzt.

Besondere Erfolge kennten die Demokraten bei den Neubesetzungen der Gouverneursposten erzielen. So gewannen sie die Gouverneursstellen in Florida, Minnesota, Nebraska, Neumexiko, Ohio, Pennsylvania, Süddakota und Wisconsin. Die Republikaner konnten den Demokraten die Gouverneursposten in Connecticut und Tennessee abnehmen.

Einen besonderen Erfolg konnte der republikanische Gouverneur von New York, Nelson Rockefeller, erzielen. Er siegte mit einem erheblichen Vorsprung vor seinem demokratischen Rivalen, dem früheren UN-Botschafter Arthur Goldberg, und einem Kandidaten der in New York vertretenen Konservativen Partei. Damit wurde Rockefeller zum viertenmal wiedergewählt – ein einmaliger Rekord in der amerikanischen Geschichte.

Auch der rechtsradikale Demokrat George Wallace konnte einen Erfolg verbuchen. Der Gegner der Rassenintegration, der sich 1968 als Kandidat einer "Dritten Partei" um das Präsidentenamt beworben hatte, wurde erneut zum Gouverneur von Aalabama gewählt. Bei den Senatoren wurden die meisten der prominenten Politiker wiedergewählt. So errang der Demokrat Edward Kennedy im Bundesstaat Massachusetts einen haushohen Sieg über seinen republikanischen Rivalen. Mit seinem überzeugenden Erfolg empfahl sich der letzte der Kennedybrüder erneut als möglicher Präsidentschaftsanwärter der Demokraten für 1972. Einen sicheren Sieg errang im Bundesstaat Maine auch der Senator Edmund Muskie, der gegenwärtig als erster Anwärter auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur gilt.

Ein Opfer der starken Angriffe von Präsident Nixon und Vizepräsident Agnew wurde dagegen einer der profiliertesten außenpolitischen Experten des Senats, der Demokrat Albert Gore. Er unterlag in Tennessee dem Republikaner William Brock.

Der Wahlkampf war bis zuletzt mit aller Härte geführt worden. Zur Verschärfung haben besonders die scharfen Attacken Vizepräsident Agnews gegen die Liberalen beigetragen. Auch Präsident Nixon hatte noch am Vorabend der Wahl das Thema "Recht und Ordnung" als die beherrschende Frage der amerikanischen Innenpolitik dargestellt.