Zwei bekannte Forscher, die Frankfurter Ordinarien für Physik Peter Fulde und Joachim Queisser, verlassen die Universität, weil sie unter dem neuen Hessischen Hochschulgesetz sinnvolle naturwissenschaftliche Forschungsarbeit für unmöglich halten. Aus demselben Grund hat der Physikprofessor Ernst Werner. (TH Hannover) einen Ruf nach Frankfurt abgelehnt. Besonders nehmen die drei Gelehrten an dem Paragraphen sechs des Gesetzes Anstoß, "der uns Hochschullehrer verpflichtet, Kollegen öffentlich zu denunzieren, wenn ihre Arbeit zu Bedenken bezüglich der gesellschaftlichen Folgen Anlaß gibt" (Fulde); für fast jedes naturwissenschaftliche Ergebnis lasse sich eine mögliche schädliche Anwendung konstruieren. Überdies befürchten die drei Wissenschaftler, daß sich die Entscheidungsgewalt, die das Gesetz den nach Standesinteressen und nicht Fachinteressen zusammengesetzten "Ständigen Ausschüssen" überträgt, auf die Forschung hemmend auswirken wird. Kommentar eines Frankfurter Physikers: "Die neuen Hochschulgesetze sind von Geisteswissenschaftlern gemacht, die sich unter Wissenschaft nur Gerede vorstellen können und darum von den Belangen wirklicher Forschung keine Ahnung haben." Th. v. R.