Düsseldorf

Die Woche fing fröhlich an: Das Haus des Ministerpräsidenten wimmelte von Würdenträgern und Journalisten. Wie sich zu später Stunde herausstellte, betrachteten einige durstigen Gäste das Ganze als gelungene Vorfeier; denn Regierungssprecher Fritz Stallberg (SPD) sollte tags darauf auf allerhöchsten Wunsch zum Staatssekretär befördert werden. So wurde es hochoffiziell verkündet.

Am nächsten Morgen allerdings konsultierte der Ministerpräsident noch seinen Fraktionsvorstand im Landtag – und fiel aus allen Wolken. Was seit Wochen sicher schien, war nun auf einmal nicht nur unsicher, sondern gar nicht mehr existent. Kein Lob, kein Zuspruch, sondern Ablehnung.

Der 51jährige Fritz Stallberg, ein treuer Diener seines Herrn, seit 1966 in der Düsseldorfer Staatskanzlei, konnte es kaum fassen; und Heinz Kühn selbst verließ tief getroffen den Landtag. Viele Gründe wurden für die Ablehnung ins Feld geführt, die nackte Wahrheit indes blieb verschämt, verdeckt: Stallberg, gilt als Hauptverantwortlicher für den Wahlkampf 1970. Die "pausenlosen Siegesnachrichten aus seiner Schreibstube", klagen heute noch viele Minister, "haben bei unseren Freunden den Eindruck erweckt, die SPD gewinnt auch ohne uns".

Trotzdem schien am Morgen nach den turbulenten Vorstandssitzungen die Einigung in greifbarer Nähe. Loyalität und Solidarität unter den Sozialdemokraten obsiegten: "Wir können Kühn nicht hängenlassen." Mitten in diesen Stimmungswandel platzte wie aus heiterem Himmel die Nachricht Stallbergs, Heinz Kühn habe nach den bewußten Streitsitzungen eine Herzattacke erlitten. Fast alle Zeitungen meldeten es, während Bonner Sozialdemokraten Stein und Bein schworen, den Ministerpräsidenten noch 24 Stunden nach dem angeblichen Zeitpunkt der erlittenen Herzattacke gesehen oder gesprochen zu haben.

Tatsächlich hat sich Kühn erst einen Tag nach dem großen Hauskrach in die Klinik begeben, um dort eine "Blutdruckkrise und Herzinsuffienz" zu kurieren. Die erbosten SPD-Landtagsabgeordneten mit Fritz Kassmann an der Spitze fühlten sich in Angst und Schrecken gejagt, und so fiel denn auch prompt in der gesamten SPD-Fraktion die Beratung um das Für und Wider gegen Stallberg aus.

Unter diesem Eindruck hißte Stallberg selbst die weiße Fahne. Optimisten sagen über Fritz Stallberg, er sei jetzt nicht nur Regierungssprecher wie bisher, sondern auch ein Staatssakretär-Designatus im Wartestand. Horst-Werner Hartelt