Der Arzt legt sein Stethoskop auf die Brust des Patienten und hört ihn ab. Plötzlich stutzt der Doktor. Außer dem Herzklopfen glaubt er deutlich das Geräusch einer Dampfmaschine vernehmen zu können. Er hat sich nicht verhört, der Patient hat in der Tat eine Dampfmaschine in der Brust, ein kleines Kernkraftwerk, das ein künstliches Herz antreibt."

Mit dieser Science-fiction-Story unterhielt Dr. Theodore Cooper seine Zuhörer beim Chirurgenkongreß in Bethesda (US-Staat Maryland) zu Beginn seines Vortrags über den derzeitigen Stand der Entwicklung eines künstlichen Herzens, die im "National Heart and Lung Institute" in Bethesda vor fünf Jahren begonnen wurde.

Plutonium 238 ist der Brennstoff. Während dieses radioaktive Element zerfällt, gibt es Wärme ab, mit der eine kleine Menge Wasser in Dampf umgewandelt wird. Er treibt die Dampfmaschine, die das Kunstherz bewegt. Der Dampf kühlt sich ab und verwandelt sich zurück in Wasser, das wieder verdampft werden kann.

Allein die Entwicklung dieser Mini-Kraftstation hat bislang das Heart and Lung Institute zehn Millionen Dollar gekostet und wird im laufenden Rechnungsjahr mindestens eine weitere Million kosten.

Gegenüber einem Batterieantrieb hat das Kleinkraftwerk den Vorteil, daß sich der Patient nicht in regelmäßigen Abständen an ein Ladegerät anschließen muß, um die Batterien wieder aufzuladen. Außerdem hat die Dampfmaschine einen hohen Wirkungsgrad, es geht also nicht viel Energie verloren.

Freilich muß die Maschine absolut bruchsicher sein, sie darf auch bei einem schweren Unfall nicht so beschädigt werden, daß etwa der Wasserdampf entweichen oder radioaktive Strahlung des Plutoniums in den Körper des Trägers gelangen kann.

Problematisch sei die Miniaturisierung des Geräts, erklärte Dr. Cooper, das nicht zu groß und nicht zu schwer sein dürfe. Doch glaubt der Forscher, daß noch vor dem Jahr 1980 die ersten mit einem Plutonium-Dampfkraftwerk getriebenen künstlichen Herzen einigen Patienten eingebaut werden können.