Hamburg Bis zum 30. November, Galerie Brackstedt: "Friedrich Meckseper"

In dem wunderschönen Katalog mit einer Originalradierung "Die Sonnenuhr" steht als programmatisches Vorwort ein Text aus dem "Großen Mahler Buch, Nürnberg 1728" von Gerhard de Lairesse. Darin sind vortreffliche Sentenzen zu lesen, die den vortrefflichen Meckseper vortrefflich charakterisieren und von denen Meckseper glaubt, daß sie ihn charakterisieren, beispielsweise: "Es ist wohl wahr, daß es preiswürdiger, wenn man in einem kleinen Teil außerordentlich geschickt ist, als nur so ziemlich in vielen." Und "nun wollen wir diese Sache weiter untersuchen und anmerken, was ein jeder in seiner Übung nötig hat, damit er sich endlich in einen unbekümmerten Stand setzen möge; als auch ob Materie genug zu dessen Bewerkstellung im Vorrat ist, und endlich, was einer jeden besonderen Erwählung eigentümlich zukommt". Mecksepers Geschicklichkeit in einem kleinen Teil ist in der Tat außerordentlich, heute nicht weniger als vor sieben oder acht Jahren, als der junge Worpsweder Altmeister mit seinem wunderbar hochmanieristischen Repertoire von astronomischen, astrologischen, physikalischen und metaphysikalischen Instrumentarien aus dem Rudolphinischen Prag an die Öffentlichkeit trat. Die Bilder sind seitdem nicht anders, nur sehr viel teurer geworden. Sie kosten, die großen Formate, zwischen 12 000 und 15 000 Mark und verkaufen sich glänzend. Ein bemerkenswerter Erfolg nicht nur für Beharrlichkeit, die sich auszahlt, sondern für eine Brüskierung des Zeitgeschmacks, auch die bewußte Anti-Aktualität erweist sich im besondern Fall als Chance, die honoriert wird. Es stellt sich allerdings die Frage, die bereits Gerhard de Lairisse prägnant formuliert hat, ob nämlich Materie genug im Vorrat ist. Die Jahre, für die der Vorrat reicht, gehen allmählich zu Ende. Nicht von ungefähr ist "Das Labyrinth" Mecksepers Lieblingsfigur. Die Gefahr des Labyrinths, meint sein Erfinder Dädalos in der Interpretation von André Gide, besteht darin, daß es einem zu gut gefällt und man gar nicht mehr den Wunsch hat; daraus herauszufinden.

Gottfried Sello

München Bis zum 29. November, Theatermuseum; "Bühne und Raum: Roman Clemens"

Stets in Konfrontation mit der sich verändernden Wirklichkeit des Theaters, hat der Bühnenbildner, Theaterarchitekt und Ausstellungsgestalter Roman Clemens ein Stück unverfälschter Bauhaus-Tradition in die Gegenwart herübergerettet: Der Schlemmer-Schüler mit Dessauer Diplom ist der authentische Statthalter der legendären Bauhaus-Bühne. Das synästhetische Theater Schlemmers und Moholy-Nagys, welches Szenengestaltung als autonome räumliche Konstruktion begriff, ist sein Fundament. Seine Bühnenbilder sindkeine illusionistischen Tableaux, sondern architektonisch definierte Gehäuse für das Gestehen: Auf Wesentliches reduziert, vermitteln sie nicht Stimmungsgehalte, ihre Absicht ist vielmehr, den Charakter eines Werkes in rational begreifbare Raumbeziehungen umzusetzen. Clemens’ starres Festhalten an der einmal gefundenen, tragfähigen Grundform hat sich bezahlt gemacht: Seit vierzig Jahren nuancierte Variationen über ein Thema, sind seine szenischen Lösungen dennoch nicht veraltet. In den fünfziger Jahren noch brauchte er Entwürfe aus den dreißiger Jahren nur "aufzupolieren". Leider geschah dies an einem weniger beachteten Ort, nämlich in Zürich, wo er in einer operngeschichtlich wichtigen Zeit (1932–1943) Ausstattungsleiter am Stadttheater gewesen ist Helmut Schneider

Weiterhin im Programm:

Hamburg Bis zum 27. Dezember, Museum für Kunst und Gewerbe: "Dädalische Kunst"