"Der Mann gefällt mir." So Karl Schiller über seinen ungarischen Gesprächspartner, Finanzminister Peter Valyi, anläßlich der Unterzeichnung des deutsch-ungarischen Handels- und Kooperationsvertrages in Budapest. Der Nationalökonom vom Rhein – ein in deutscher und englischer Sprache erscheinendes Budapester Blatt hatte aus Schillers Dr. rer. pol. zu dessen sichtbarem Vergnügen den akademischen Grad der politischen Wissenschaften gemacht – und der Chemie-Ingenieur von der Donau verstanden sich prächtig. Ausnahmsweise nicht Schiller, sondern Goethes Faust – "Wer immer strebend sich bemüht..." – zitierte der tadellos deutsch palavernde Valyi mit augenzwinkerndem Hinweis auf das Vertragswerk.

Ausgelassene Stimmung bei Aprikosenschnaps und Tokaier herrschte im regierungseigenen Jagdhaus Telki 30 km außerhalb Budapests, in da; die deutsche Delegation zu einem abendlichen Männeressen mit Fasanensuppe, Hirschkotelett und Wildschweinbraten geladen war. Beim Klang schluchzender Geigen überhäuften Schiller (59) und Valyi (51) einander mit Komplimenten aber ihr jugendliches Aussehen und lachten herzlaft.

Am Freitag vergangener Woche war DIE ZEIT in den Kiosken rund um das Mehlemer Wohnungsbauministerium im Handumdrehen vergriffen. Grund: Wohnungsbauminister Lauritz Lauritzen war erbost über die im Bonner Report wiedergegebene Äußerung seines Staatssekretärs Louis Storck, die Ernennung seines Ministers sei "eine Fehlentscheidung" gewesen. Lau-Lau selbst las es mit verbissenem Gesicht und schwieg. Bereits um 16 Uhr verließ er das Ministerium. Einer seiner Beamten dazu: "Das trifft haargenau ins Schwarze, denn von Amtseifer kann bei unserem Chef kaum die Rede sein, der kennt doch bloß seine Jagd."

Eine Abgeordnetendelegation der Bundestagsausschüsse für auswärtige Angelegenheiten, Wirtschaft und wirtschaftliche Zusammenarbeit besuchte auf Einladung der Weltbank New York und Washington, um sich über Probleme der Entwicklungshilfe ausgiebig zu informieren. Weltbank-Präsident Robert McNamara schockierte die deutschen Parlamentarier über die hohe Verschuldung der Entwicklungsländer. Derzeitiger Stand: 50 Milliarden Dollar bei einer jährlichen Zuwachsrate von 15 Prozent.

Bei diesem Besuch verlor der SPD-Abgeordnete Harry Tallert eine Wette um einen Dollar. Ausgerechnet einige sonst auf amerikanische Schützenhilfe bauende CDU-Abgeordnete der Delegation glänzten beim Besuch des Leiters des Amtes für internationale Entwicklungshilfe, Dr. John A. Hannah, durch Abwesenheit. Tallert meinte, sie hätten sich nur verspätet, und wettete mit seinem Fraktionskollegen Professor Hans Georg Schachtschabel, daß sie noch kommen würden. Sie kamen nicht, Tallert bezahlte.

Die FDP-Fraktion sorgt sich, sie werde wieder einmal als Bremser abgestempelt. Grund ist die ablehnende Haltung gegenüber Arbeitsminister Walter Arendts Neufassung des Betriebsverfassungsgesetzes. Gerhard Kienbaum, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Unternehmensberater und Mädchen für alles in der FDP-Fraktion, meuterte gegen Arendts Absicht, den Gewerkschaften mehr Macht und Einfluß in den Betrieben zu geben. Er düpierte damit seinen Fraktionskollegen Hansheinrich Schmidt (Kempten), der an dem Entwurf mitgearbeitet hatte, dem einige Arendt-Details allerdings entgangen waren. Ein FDP-Sprecher meinte freilich: "Die Sache mit dem Machtzuwachs für die Gewerkschaften hat Arendt doch nur gemacht, um dem DGB zu zeigen, daß er alles getan hat."

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