Von Woche zu Woche wird eine Fülle von Schiffsbeteiligungsobjekten angeboten. Durch Zeitungsinserate, aber zunehmend auch durch sogenannte Finanzberater, die bei Lichte besehen nicht selten arbeitslos gewordene Investment-Vertreter sind. Auch auf diesem Felde ist nicht alles Gold, was glänzt. Deshalb will ich Sie, meine verehrten Leser, mit einem Unternehmen bekanntmachen, bei dem Sie sicher sein können, daß die ihnen in Aussicht gestellten Steuervorteile auch "lieferbar", sind und daß es sich bei den angebotenen Beteiligungen um Objekte handelt, die in sich wirtschaftlich gesund sind. Daß selbstverständlich immer nur die heute erkennbaren Risiken ausgeschaltet werden können, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Wer sich an einem Schiff als Gesellschafter (als Unternehmer) beteiligt, geht stets ein wirtschaftliches Risiko ein!

Bei der eben erwähnten Gesellschaft handelt, es sich um die Nereus Verwaltungsgesellschaft für Schiffsbeteiligungen mbH, Hamburg, eine Tochtergesellschaft der Hamburgischen Landesbank, die bei einem wesentlichen Teil der deutschen Nachkriegsflotte Finanzierungshilfe geleistet hat. Die Landesbank hat Reeder zur Kundschaft, sie gewährt Schiffshypotheken und sorgt über Nereus für eine vernünftige Kapitalzufuhr bei den "alteingesessenen" Reedereien. Damit will ich sagen, meine verehrten Leser: Die Vermittlung von Schiffsbeteiligungen ist bei der Landesbank nicht "Selbstzweck", sondern nur Mittel zum Zweck, nämlich der Reederkundschaft zu vernünftigen Bedingungen Risikokapital zu beschaffen, und zwar für Schiffe, bei denen sie selbst Hypotheken gibt.

Da die Landesbank auf der anderen Seite die Interessen der Kapitalanleger (zu einem großen Teil eben auch Kunden) zu berücksichtigen hat, legt sie bei den Schiffen, bei deren Bau oder Kauf Nereus eingeschaltet wird, strenge Maßstäbe in rentabilitäts- und liquiditätsmäßiger Hinsicht an. Deshalb sind im großen Umfange Geschäfte zurückgewiesen worden.

Bisher hat Nereus ein Beteiligungsvolumen von 39 Millionen Mark vermittelt. Damit sind Schiffsobjekte mit einem Gesamtwert von 233 Millionen finanziert worden. Zur Zeit werden neue Projekte mit einem Beteiligungsvolumen von 48,4 Millionen Mark bearbeitet, die 1971/72 dem Publikum angeboten werden sollen. Nach Realisierung dieser Projekte wird Nereus 20 Schiffe mit einem Gesamtvolumen von 470 Millionen finanziert haben. Der durchschnittliche Beteiligungsbetrag der einzelnen Kommanditisten betrug bisher etwa 30 000 Mark.

Nach den Grundsätzen der Landesbank soll bei Neubauten das Eigengeld mindestens 30 Prozent betragen, hiervon soll der Reeder mindestens 1/4, möglichst 1/3, selbst übernehmen. Die Gesamtfinanzierung muß gesichert und unter bankmäßigen Gesichtspunkten vertretbar sein. Ein Gutachter muß prüfen, daß der Bau- und Kaufpreis und die Rentabilität des Schiffes in Ordnung sind. Bevorzugt werden Objekte, für die ein langfristiger Chartervertrag geschlossen ist, wobei Heueranpassungsklauseln besonders zu beachten sind. Die Jahresabschlüsse der Reedereien sind grundsätzlich von einem Wirtschaftsprüfer-zu testieren.

Nach § 82 Einkommensteuergesetz können bei Schiffsneubauten neben den linearen Abschreibungen bis zu 30 Prozent der Herstellungskosten als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Auch hier gibt es das Gesetz der Hebelwirkung: Je niedriger das eingesetzte Eigenkapital, desto höher die prozentuale steuerliche Verlustzuweisung, die diese Beteiligungsart so interessant macht. Ist der Eigenkapitalanteil jedoch zu gering, so steigen die Fremdfinanzierungskosten überproportional. Die Rentabilitätsaussichten sind damit in Frage gestellt. Aus diesem Grunde ist es wichtig, Abschreibungsquote und Rentabilität im Gleichgewicht zu halten. Das ist bei dem Nereus-Modell der Fall. Deshalb kann es aber auch nicht mit allen Angeboten auf diesem Markt konkurrieren, in denen Super-Verlustzuweisungen in Aussicht gestellt werden. Im übrigen sind die Nereus-Finanzierungsrelationen Voraussetzung für einen Bundeszuschuß von 10 Prozent der Kosten, der sich rentabilitätsmäßig später günstig bemerkbar macht.

Bei der hier beschriebenen Konstruktion gibt es drei Gesellschaftsmodelle, die ich hier jedoch nicht näher beschreiben will. Bei allen Modellen haftet der Kapitalanleger immer nur in Höhe seiner Einlage. Darüber hinausgehende Verpflichtungen geht er nicht ein. Auch das ist ein Punkt, der bei der Prüfung von Schiffsbeteiligungen beachtet werden sollte.