Die Regierungspartei in Südafrika hat zum zweitenmal innerhalb eines Jahres eine Schlappe hinnehmen müssen. Nachdem die Nationale Partei bei den allgemeinen Parlamentswahlen im April Stimmen und Mandate an die Vereinigte Partei (United Party) verlor, mußte sie auch bei den Provinzwahlen vom vergangenen Mittwoch neun Sitze an die Opposition abgeben.

Angesichts der Tatsache, daß bei den Wahlen in den vier Provinzen Südafrikas 177 Mandate vergeben wurden, nimmt sich die Verschiebung minimal aus. Doch bei der verkrusteten Struktur der südafrikanischen Innenpolitik bedeutet die anscheinend so geringfügige Veränderung einen beachtlichen Erfolg der Opposition. Gleichzeitig ist sie ein Symptom für die sich wandelnde Haltung in der Rassenfrage, die das zentrale Wahlkampfthema war. John Vorster und seine Nationale Partei plädierten weiterhin für die absolute Apartheid und die Gründung von unabhängigen "Heimatländern" für die Bantus. Die flexiblere United Party trat ebenfalls, für den Fortbestand der weißen Oberherrschaft ein. Gleichzeitig, und in striktem Gegensatz zu kürzlichen Maßnahmen der Regierung, forderte sie aber eine stärkere Integration der Schwarzen in den Wirtschaftsprozeß.

Das Ergebnis der Provinzwahlen ist ein schwerer Rückschlag für Vorsters Konzept. Es hat sich gezeigt, daß die Bevölkerung Südafrikas zwar keine extremen Lösungen will, wie die verheerenden Niederlagen der liberalen progressiven Partei und der rechtsextremen Herstigte Nasionale Party beweisen. Aber die Südafrikaner suchen offensichtlich in immer stärkerem Maße nach einer erfolgversprechenderen Antwort auf die Schicksalsfrage ihres Landes, als sie ihnen die Regierung Vorster bietet. Das Programm der Vereinigten Partei scheint einer wachsenden Zahl von Südafrikanern eine solche Antwort zu sein. Es sieht freilich auch nur kleine Schritte in Richtung auf mehr Gerechtigkeit im Zusammenleben der Rassen vor. Und es bleibt fraglich, ob das wachsende Identitätsbewußtsein der Schwarzen noch eine solch langsame Gangart in Südafrika zuläßt. B.