Über die Bayer-Kapitalerhöhung ist man in den Börsensälen verstimmt, nicht so sehr über deren Konditionen als über den Zeitpunkt ihrer Durchführung. Zwischen Bekanntgabe und dem Beginn des Bezugsrechtshandels lagen nur wenige Tage, zu wenige, um die Kundschaft für junge Bayer-Aktien begeistern zu können. Hinzu kommt, daß die BASF mit einer Kapitalerhöhung noch in diesem Jahr folgen wird und Hoechst in der kommenden Woche mit einer 8 1/2prozentigen Anleihe den deutschen Kapitalmarkt in Anspruch nehmen wird. Der Wettbewerb der großen Drei um den deutschen Sparer hat jetzt einen Höhepunkt erreicht. Ob die Vorstände gut daran tun, sich ohne Rücksicht auf die prekäre Lage am Kapitalmarkt zu "bedienen", steht auf einem anderen Blatt.

Solche Gewaltaktionen werden die Aktionäre wahrscheinlich mit längeren Perioden der Kursstagnation bezahlen müssen. Sie werden sich daran erinnern, daß an den Chemie-Kursen die Hausse der vergangenen Jahre weitgehend spurlos vorübergegangen ist. Der Farben-Aktionär merkt nichts vom "Wachstum der Wirtschaft, das sich in den Aktienkursen niederschlägt". Schon jetzt kursiert in den Börsensälen der Ausspruch: "Die Aktien der Großchemie werden zu den Montanen der siebziger Jahre." Ein unsympathischer Gedanke!

Einige Banken habe sich bereits von ihren Bayer-Aktien getrennt, als sich die Kapitalerhöhung noch im Stadium der Überlegung befand. Sie werden in der Lage sein, ihre Bestände über den Bezugsreehterwerb billig zu ergänzen. K. W.