Tausendmal hat man es gesehen: den Pfeil, der auf das Stichwort "Winde aus unterschiedlichen Richtungen" regellos um die Windrose hüpft, die Bilderbuch-Sonnenstrahlen, die bei "heiter bis wolkig" die Wolken verdrängen, die folgsamen Thermometer, die sich auf "Tageshöchsttemperatur" und "nächtliche Tiefstwerte" einpendeln; doch man schaut immer wieder hin, mit der kindlichen Freude, am Vorhersehbaren: Die Geisterstimme hat "gewittrige Schauer" angekündigt, und der Zuschauer weiß, gleich wird es blitzen in den Löchern der Wetterkarte, durch die man die Regentropfen oder Schneesternchen in Reih und Glied fallen sieht.

Warum aber müssen Wetterberichte ansonsten so langweilig sein? Von jeher hat man sie im Meteorologenjargon verfaßt, doch erst im Fernsehen werden die Dürftigkeit seines Vokabulars, die Unstimmigkeit seiner Metaphern und die Einförmigkeit seiner Syntax peinlich offenbar. Das Bild intensiviert die akustische Information, behaupten die Fernsehpsychologen – hier stimmt’s.

Gewiß, man fragt sich gar nicht mehr, ob ein "rechtsdrehender Wind" eine Luftbewegung ist, die sich richtig verhält, wer oder was von einem "auffrischenden Wind" aufgefrischt wird, ob "strichweise Regen" meint, daß es in Strichen regnet. Betrüblicher ist, daß sich stereotype Phrasen wie "schwacher bis mäßiger, im Küstengebiet und im Bergland starker, in Böen stürmischer Wind zwischen Süd und West" gar nicht erst einprägen – ganz zu schweigen von ihrer unscharfen Aussage. (Übrigens: Wo liegt eigentlich das oft genannte Bergland?)

Meteorologen würden sich wahrscheinlich wundern, erführen sie, wie wenig Leute sich unter einem "mitgeführten Tiefausläufer" überhaupt etwas vorstellen können, daß die meisten Fernsehzuschauer nicht wissen, warum auf der Rückseite eines sich ostwärts verlagernden Hochdruckkeils milde Meeresluft einströmt, was eine Kaltfront ist und warum ein Hoch meistens gutes, ein Tief hingegen in der Regel schlechtes Wetter bringt. Fernsehredakteuren freilich müßte diese allgemeine Ignoranz bekannt sein. Ließe sich ihr nicht abhelfen?

Im Zweiten Deutschen Fernsehen könnten dies die Meteorologen tun, die vor der Kamera den Zuschauer, ansprechen. Schade, daß sie nicht mehr mit quietschender Kreide Wolken und Stürme an die Tafel malen dürfen. In amtlichem Ton tragen sie laut und fehlerfrei ihren Text vor. Wie dankbar wäre man für ein paar Versprecher, für eine Atmosphäre der Improvisation, in der uns dann der Fachmann aus gegebenem Anlaß hin und wieder etwas Wetterkunde beibringen könnte.

Und ginge es nicht auch so: "Morgen dürfen die Berliner und die Bayern ihren Regenschirm getrost zu Hause lassen – aber ohne Wintermantel geht es jetzt nicht mehr, denn es wird kühl werden..." Mir jedenfalls würde dies mehr sagen als "in den Niederungen vereinzelt nebligtrüb...". Und wenn die Prognosen nicht vom Meteorologenkatheder, sondern im Plauderton gegeben würden, wäre man auch nicht mehr so böse, wenn es manchmal statt des angekündigten Sonnenscheins Bindfäden regnet.

Thomas v. Randow