Es klingt alarmierend: "Das Institut Wohnungseigentum, das gerade breiten Schichten zu Eigentum verhelfen soll, treibt die Grundstückspreise!"

Dieser Satz ist das Ergebnis einer Untersuchung über die Entwicklung der Baulandpreise in Stuttgart. Daran wirkten mit: das Stadtmessungsamt, das Amt für Bodenordnung, das Amt für Wohnungswesen und das Liegenschaftsamt.

Die Beamten stellten fest, "daß die Hersteller von Eigentumswohnungen (in der Regel Baugesellschaften) den Verkäufern der Bauplätze rund 20 bis 30 Prozent höhere Preise bezahlen", als ohne Eigentumswohnungsnutzung zu erzielen wären. Den Beweis für diese Behauptung lieferten die gewissenhaften Beamten gleich mit. Von der städtischen Bewertungsstelle ließen sie Tür ganz bestimmte Grundstücke feststellen:

  • Welcher Preis wurde von den neutralen Gutachtern dieser Bewertungsstelle für "normalerweise angemessen" gehalten, und
  • welcher Preis wurde für dasselbe Grundstück zwecks Bebauung mit Eigentumswohnungen tatsächlich bezahlt?

Damit aber nicht genug. Die Stuttgarter Fachleute berechneten exakt, um wieviel die Eigentumswohnungen hätten billiger sein können, wenn der – auch schon sehr hohe – Schätzpreis und nicht der "Überpreis" für das Grundstück bezahlt worden wäre.

  • So bezifferten die amtlichen’ Schätzer den Wert eines Grundstücks – immer ohne Erschließungskosten – auf 250 Mark je Quadratmeter. Tatsächlich bezahlt wurden 346 Mark. Verkauft wurden die darauf errichteten Eigentumswohnungen für 1550 Mark je Quadratmeter Wohnfläche. Auf jeden Quadratmeter Wohnfläche entfiel ein Grundstücksanteil von 540 Mark. Wäre der Schätzpreis von 250 Mark bezahlt worden, so hätten – bei sonst gleicher Kalkulation – die Wohnungen für 1402 Mark je Quadratmeter verkauft werden können. Der Grundstücksanteil hätte dann nur 392 Mark betragen.
  • Ein anderes Grundstück. Schätzpreis: 330 Mark. Bezahlt: 475 Mark. Verkaufspreis je Quadratmeter Wohnfläche: 2000 Mark. Grundstücksanteil: 528 Mark. Bei Einhaltung des Schätzpreises hätte der Quadratmeter Wohnungseigentum "nur" 1837 Mark gekostet. Grundstücksanteil: 365 Mark.
  • Ein anderes Grundstück. Schätzpreis: 450 Mark (!). Bezahlt: 835 Mark. Verkaufspreis: 1700 Mark je Quadratmeter Wohnfläche. Davon Grundstücksanteil: je 928 Mark. Wäre der Schätzpreis bezahlt worden, hätte der Quadratmeter Wohnungseigentum "nur" 1272 Mark gekostet bei einem Grundstücksanteil von genau 500 Mark.

Dabei ist – auch das stellten die Stuttgarter Preisberichter fest – ausgerechnet die oft "nicht mehr tragbare" Höhe der Preise jener Grundstücke, die mit Einfamilienhäusern bebaut werden dürfen, der Grund für den Eigentumswohnungs-Boom. Gerade weil sich viele Menschen Bau oder Kauf eines Einzelhauses nicht mehr leisten können, weichen sie ins Wohnungseigentum aus. Hohe Grundstückspreise sind also zugleich Ursache und Wirkung des überall in der Bundesrepublik zu beobachtenden "Runs" auf die Eigentumswohnung.