/ Von Karl-Heinz Janßen

Wenn die FDP bei der Landtagswahl in Hessen gut abschneidet oder glimpflich (was in diesem Falle dasselbe ist), so mag das Fernsehen ihr bester Wahlhelfer gewesen sein. Jedenfalls kann sich ihr Vorsitzender Walter Scheel nicht darüber beklagen, daß ihn die Fernseh-Nachrichtensendungen der ARD und des ZDF den Wählern nicht oft genug vorgestellt hätten. In der letzten Oktoberwoche verging eigentlich kein Tag, wo er nicht im Bilde zu sehen gewesen wäre: Scheel in Luxemburg, Scheel auf Pressekonferenzen, Scheel mit Gromyko ... Es focht ihn nicht an, daß er an zwei aufeinanderfolgenden Tagen dasselbe sagte (zum Thema Polenreise), er nahm die Gelegenheiten reichlich wahr, und nie war ihm Unmut ob der Belästigung anzumerken, die Fernsehteams einem Interviewten bereiten. Ob das törichte CSU-Wort vom Kronberger Wahlhappening auch gefallen wäre, wenn es kein Fernsehen gegeben hätte? Erst durch die ausführlichen Bildreportagen vom Besuch Gromykos in der Bundesrepublik wurde Millionen Bundesbürgern demonstriert, daß die Ostpolitik nicht ganz so verfahren sein kann, wie es die Opposition gern wahrhaben möchte.

Die Redakteure von "Tagesschau" und "Heute" sind über jeden Verdacht erhaben, billige Wahlpropaganda für die Bonner Koalition oder für Herrn Scheel betrieben zu haben (auch wenn der eine oder andere am Redaktionstisch mit dem Lauf der Dinge sehr zufrieden gewesen sein mag). Nachrichtenredakteure, bei welchem Medium auch immer, sind gehalten, ihrer Informationspflicht zu genügen, ohne Ansehen der Person oder Partei, wertfrei, neutral, ausgewogen und – soweit wie möglich – objektiv. Beim Fernsehen kommt noch ein Erfordernis hinzu: Die Nachricht soll ins Bild umgesetzt oder durchs Bild ergänzt werden.

Das Bild freilich gefährdet den Informationswert der gesprochenen Nachricht. Jeder Anflug von Lächeln zwischen unterem Augenlid und oberem Wangenrand des Nachrichtensprechers, jeder Farbtupfer auf seiner Krawatte und erst recht jedes dramatisch bewegte Filmbild lenkt von der Meldung ab. Es wäre eine Umfrage wert, wie viele den ausgezeichneten Berichten über die westdeutsch-ungarischen Wirtschaftsbeziehungen intensiv gelauscht haben, als sie in Großaufnähme den Füllfederhalter Professor Schillers übers Papier gleiten sahen oder mit dem Minister auf die Donau zwischen Buda und Pest herabschauten.

Um zur "historischen" Begegnung in Kronberg zurückzukehren: Die Bildinformation auf beiden Kanälen war so ausführlich, wie man sie sich nur wünschen konnte, und sie war stärker, als jede Wortinformation sein konnte. Im Gedächtnis haften blieb der nüchtern-kaufmännische Gromyko beim Verlassen des Flugzeuges, das Fachwerk des Schloßhotels, der noch ungewohnte Anblick eines verschneiten Flugfeldes und der ebenso ungewohnte Klang russischer Laute vor den Mikrophonen.

Eine andere Frage ist es, ob die ohnehin benachteiligte Wortinformation ausreicht. Und da muß das Urteil leider lauten: Viel Feuilleton und wenig harte Information. Zur Ehre der Fernsehredakteure muß hinzugefügt werden, daß die Berichte in den Sonnabendausgaben der großen Tageszeitungen auch nicht viel gehaltvoller war ren. Trotz des großen Aufgebots. an Journalisten müssen die Informationen spärlich geflossen sein.