Fast wäre der Oktober ein guter Börsenmonat geworden. Wenn dennoch ein großer Teil der in unserer Tabelle verzeichneten Papiere Kursverluste aufweist, so liegt dies an der Bayer-Kapitalerhöhung (siehe auch Seite 49 "Schnellschuß von Bayer"), welche die bis dahin freundliche Tendenz erstickte. In den letzten 10 Tagen hatten die Standardaktien des deutschen Marktes im Zeichen umfangreicher Auslandskäufe gestanden. Sie hatten für steigende Notierungen gesorgt.

Denn nicht nur die Banken stellten aus eigenen Beständen Material zur Verfügung, auch einige Versicherungen verminderten ihre Aktienbestände, zum Teil aus Bilanzüberlegungen heraus. Sie realisierten Kursgewinne, um damit die in diesem Jahr beträchtlich anfallenden Effektenabschreibungen zu vermindern. Auf diese Weise werden die außerordentlichen Ertragsrechnungen aufgebessert. Im Versicherungsgeschäft war 1970 ohnehin nur wenig, wenn nicht kein Geld zu verdienen. Die Sachversicherungen erwarten vom Ertrag her das schlechteste Jahr seit der Währungsreform.

Die deutschen Investment-Fonds hielten sich im September weitgehend an ihre alte Marschroute: kaufenswert im wesentlichen nur Kaufhaus-, Versorgungs- und Bankaktien.

Zu einem heftigen Kursrückschlag kam es bei Audi/NSU. Hier ist das Kurs/Gewinnverhältnis auch jetzt noch überhöht. Vom Ertrag her muß das Papier ziemlich weit unterhalb des VW-Kurses notieren. Wenn dies bisher nicht der Fall war, dann in erster Linie weil es Gruppen gab, die an einem "hohen" Abfindungsangebot des Volkswagenwerks, das angeblich – um nicht ständig Rechtsstreitigkeiten zu erleben – Audi/NSU vollständig in seinen Konzernbereich aufnehmen muß. Ein spekulativ gehaltenes Audi/NSU-Paket soll nun angeblich schwach geworden sein.

Ähnliches behauptet man auch von einem Conti-Gummi-Paket. Der Kurs von Conti-Gummi war durch ständige Abrundungskäufe der Deutschen Bank zwischen 140 und 150 gehalten worden. Ende Oktober war die Deutsche Bank nicht mehr bereit, auf dieser Basis still zu halten. Hat sie bereits eine Schachtelbeteiligung an der hannoverschen Reifenfabrik oder sieht sie jetzt eine Chance, den Rest billig zusammenzubekommen? Auch hier steht fest: Der Conti-Gummi-Kurs ist angesichts der sich verschlechternden Ertragslage noch immer sehr stolz.

Unter Druck lagen auch Linde, wo mit ziemlicher Sicherheit spekulative Engagements existieren. Sie stammen noch aus der Zeit, da Aufkäufe bei dieser Gesellschaft vermutet wurden. Es gibt Anhaltspunkte, die für einen Interessenten sprechen. Gegenwärtig tritt er jedoch als Käufer nicht hervor. Vielleicht ist auch bei ihm das Geld knapp geworden. K. W.