Von Karlheinz Kleps

In der ersten Folge setzte sich Karlheinz Kleps, Professor für Nationalökonomie an der Universität Linz, mit der Vision von der großen Verbrüderung zwischen Sozialismus und Kapitalismus auseinander. Werden die Vertreter der sogenannten Konvergenztheorie, vor allem also die Wirtschaftswissenschaftler Jan Tinbergen und Walt W. Rostow, aber auch John K. Galbraith mit ihrer These von der unaufhaltsamen Annäherung der Systeme recht behalten? Während in der Sowjetunion Andrej Sacharow ähnliche Ansichten, vertritt, wird die Konvergenztheorie von den offiziellen Wächtern der reinen marxistischen Lehre innerhalb des sozialistischen Lagers auf das schärfste bekämpft. In der zweiten Folge untersucht Kleps nun, ob sich in West und Ost heute tatsächlich Indizien für eine Annäherung der Systeme, für eine Übernahme des "Besten aus beiden Welten" finden lassen.

Entscheidenden Aufschluß darüber, ob, in welcher Richtung und inwieweit ein bestimmtes Wirtschaftssystem seinen Standort auf der Systemskala zwischen totaler Planwirtschaft, und reiner Marktwirtschaft verlagert, geben die konstitutiven Systemelemente. Mit vorrangiger Bedeutung zählen dazu:

das zentrale wirtschafts- und gesellschaftspolitische Zielsystem;

die Eigentumsordnung;

das wirtschaftspolitische Lenkungssystem und das System staatlicher Verwaltungs- und Kontrollorgane.

Die Richtung und das Ausmaß der Veränderungen dieser vier konstitutiven Systemelemente sind es vor allem, die bei einer vergleichenden Betrachtung auch anzeigen, welche der drei verschiedenen Alternativen einer Annäherung der Systeme von den realen Entwicklungen in Ost und West als zutreffend bestätigt wird. Auf sie beziehen sich daher auch die folgenden Gegenüberstellungen.