Nachdem die US-Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) zur Vorsicht geraten und sich die American Medical Association, die größte Ärztevereinigung der Vereinigten Staaten, dieser Mahnung angeschlossen hat, warnt jetzt auch die American Diabetes Association die Ärzte davor, orale Antidiabetica zu verordnen, solange sich eine Zuckerkrankheit mit anderen Mitteln behandeln läßt.

Selbstverständlich müsse man zuerst versuchen, nur mit diätischen Maßnahmen einen bei Erwachsenen auftretenden Diabetes zu beeinflussen, was in vielen Fällen ausreiche, heißt es in einer Erklärung der Vereinigung. Wenn jedoch Diät allein nicht genüge, solle man als Mittel der zweiten Wahl Insulin anwenden und nur, wenn auch dieses versage, die Krankheit mit den in Deutschland entwickelten Antidiabetika, die nicht injiziert zu werden brauchen, behandeln.

Der Grund für diese Warnung der drei Organisationen ist das vor einigen Monaten bekannt gewordene Resultat einer vom National Institute of Health geförderten Langzeitstudie an insgesamt 823 Patienten in zwölf Universitätskliniken. Das Ergebnis dieser Untersuchung, dessen Gültigkeit freilich von den Herstellern der oralen Antidiabetica angezweifelt wird, ließ den Verdacht aufkommen, daß diese Medikamente den Erwachsenen-Diabetes nicht wirkungsvoller beeinflussen als eine Spezialdiät und daß Herz- und Kreislauftodesfälle unter den mit oralen Antidiabetica behandelten Patienten häufiger vorkommen als unter denen, die Insulin erhalten.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde verlangt von den Herstellern oraler Diabetesmittel, daß sie in den Ärzteinformationen und in allen Anzeigentexten über diese Medikamente ausdrücklich empfehlen, das Arzneimittel nur in den Fällen einzusetzen, in denen Diät und Insulin versagen.

Die FDA weist jedoch ausdrücklich darauf hin, daß sie auf Grund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse kein Verbot der oralen Antidiabetica erlassen werde. Da in den USA – im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland – wirkungslose Arzneimittel nicht verkauft werden dürfen, hat die Behörde mit ihrer Stellungnahme den Antidiabetespillen indirekt die Wirksamkeit bescheinigt. Die Warnung bezieht sich also nur auf ein mögliches Nebenwirkungsrisiko, das der Arzt erst in Kauf nehmen soll, wenn die anderen Behandlungsmöglichkeiten erschöpft sind. –ow