Von Franz C. Widmer

Der Volksmund meint: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Goldmarktspezialist der britischen Zeitung "Guardian" drehte letzte Woche den Spieß um: Es muß nicht alles glänzen, was Gold ist.

Anlaß zu dieser Bemerkung war der Mini-Goldrausch von London, wo der Preis für eine Unze Feingold (28,35 Gramm) zu Beginn der letzten Woche auf 39,40 Dollar hinaufschnellte, um dann allerdings bis zum Freitag wieder auf 37,40 Dollar zurückzufallen. Es war der höchste Preis, der in den letzten zwölf Monaten auf dem freien Markt für Gold gezahlt wurde.

Mehr als drei Jahrzehnte hatte das Gold seinen festen Preis: 35 Dollar. Das war der Preis, zu dem die amerikanische Regierung Gold kaufte und verkaufte; er war damit die Grundlage für den Wert des Dollars. Nach diesem Preis richteten sich auch die anderen Notenbanken der großen Industrieländer.

Das ging so bis zum März 1968, als sich eine große Währungsspekulation nicht nur gegen die Mark, sondern auch gegen den Dollar richtete. Die Notenbanken vereinbarten, den amtlichen Preis nur noch zur internen Verrechnung zu benutzen und auf dem freien Markt keine Unze Gold mehr zu kaufen oder zu verkaufen. Der Goldmarkt war "gespalten"; London wurde das Zentrum des freien Marktes und der Spekulation.

Peisrätsel