Frankfurt/Main

Der Assistenzarzt Dr. Hans Mausbach, bis zum 10. Oktober am Frankfurter Nordwestkrankenhaus tätig, seither arbeitslos, hat – wenn man seinen früheren Vorgesetzten glauben will – seine ehemaligen Kollegen teils strafbarer, teils ehrloser Handlungen bezichtigt. Die Konsequenz, die daraus gezogen wurde, war kein Strafverfahren wegen übler Nachrede, keine fristlose Kündigung, sondern nur dies: Mausbach bezieht bis zum 31. März 1971 sein Gehalt weiter, ohne dafür zu arbeiten.

Für die Milde, die man walten ließ, machte Krankenhausanwalt Volhard im Prozeß vor dem Arbeitsgericht "soziale Gründe" geltend. Doch muß man befürchten, daß der 33jährige Nachwuchsarzt und Sprecher einer "Basisgruppe Medizin" mit der für alle "Linken" charakteristischen Undankbarkeit die soziale Humanität der Krankenhausoberen nicht zu würdigen weiß; daß er womöglich der Ansicht ist, die Weiterzahlung seines Gehalts auf vier Monate sei ein Versuch, ihm seinen Schneid zu billig abzukaufen.

Dieser erscheint allerdings fast unbezahlbar. Denn Mausbach hat, mit der im Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit als einziger Rückendeckung, in der Fernsehsendung "Halbgötter in Weiß" am 20. September das Chefarztsystem an Bundesdeutschlands Krankenhäusern hart attackiert.

Dr. Mausbach ist kein verbiesterter Außenseiter. Er ist ein junger Mann mit lockeren Umgangsformen, der seine Ansichten ebenso unaufdringlich wie präzise äußert. Als Kollege zweifellos ein Mann, mit dem sich auskommen läßt. Wie hat er es fertiggebracht, mit seinem kurzen Fernsehauftritt den "Arbeitsfrieden" in der Klinik derart zu stören, daß seine Vorgesetzten und Kollegen sich außerstande erklärten, weiter mit ihm zusammenzuarbeiten?

Was man vor dem Arbeitsgericht dazu hörte, war zum Teil eine Zumutung an den gesunden Menschenverstand: Oberarzt Dr. Ewald Merz beispielsweise erzählte dem Gericht, daß sämtliche Oberärzte bereits am Morgen nach der Sendung etwa um acht Uhr darüber einig waren, jede weitere Zusammenarbeit mit Mausbach sei unmöglich. Mausbach selbst hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht die geringste Chance gehabt, sich zu verteidigen. Das "Urteil" war bereits gefällt, aus "spontaner Empörung", wie der Zeuge Merz bekannte.

Der Oberarzt auf dem Zeugenstuhl beklagte sich über die von Mausbach hervorgerufene "Unruhe unter den Patienten", lauderte aber seinerseits Beunruhigendes aus: Wie zum Beispiel die Oberärzte durch die Aufregung über Mausbach derart in Anspruch genommen waren, daß die .Operationstätigkeit darunter litt; wie er selbst eine Operation um drei Tage verschieben mußte, weil er sich infolge der "physischen und psychischen Belastung nicht in der Lage fühlte zu operieren"; wie eine schwierige Operation nur mit äußerster Anspannung aller Kräfte gemeistert werden konnte, "als die Kunde in den Operationssaal drang, daß Herr Mausbach in der Klinik Flugblätter verteilte".