Die dritte Runde der Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT) wurde am Dienstag in Helsinki eröffnet. Gegenüber den am 14. August in Wien beendeten Verhandlungen hat sich das Klima zwischen den beiden Großmächten verschlechtert. Moskaus Verhalten im Nahost-Konflikt, sein Nein zu Nixons Friedensplan für Vietnam, die bislang starre Haltung in der Berlin-Frage und die heftigen Anschuldigungen bei dem Flugzeug-Zwischenfall im türkisch-sowjetischen Grenzgebiet haben Washington ernüchtert. Die Vereinigten Staaten rechnen nicht mit einem schnellen Verhandlungsergebnis, das in Wien in greifbare Nähe gerückt zu sein schien. Auch über den Umfang eines möglichen Abkommens herrschen Skepsis und Zurückhaltung.

So hat unmittelbar vor Eröffnung der Gespräche Verteidigungsminister Laird neue Zahlen über das sowjetische Raketenpotential bekanntgegeben und warnend auf den schnellen Ausbau der gegnerischen Kräfte hingewiesen.

Moskau wirft dagegen den Vereinigten Staaten vor, die Außenpolitik zu "revidieren" und zum "Kalten Krieg zurückzukehren". Ein Beweis sei der Luftzwischenfall, bei dem zwei hohe amerikanische Offiziere in der Nähe der russischen Stadt Leninakan gelandet waren. Sie werden dort seit über zwei Wochen festgehalten. Auf sowjetischer Seite wird die Grenzverletzung dazu benutzt, die "Gefährlichkeit, amerikanischer Stützpunkte in fremden Ländern" herauszustellen. Amerikanische Vermutungen, Moskau wolle die Generale gegen die Entführer zweier sowjetischer Flugzeuge in die Türkei austauschen, wurden von amtlichen Stellen der Sowjetunion strikt zurückgewiesen.