Von Friedhelm Gröteke

Nach Florenz fährt man nur der Kunst und der Schönheit wegen. Andere Gründe gibt es nicht.

Nirgendwo in der Welt findet man auf so engem Raum eine ähnlich große Anzahl von Kunstwerken. In den dreihundert Jahren zwischen der Geburt des Giotto und dem Tode des Michelangelo wuchs in Florenz eine solche Fülle von Genies heran, wie sie weder das klassische Athen noch das Rom der Kaiserzeit, noch irgendeine andere Stadt je gekannt hat: der Wunderarchitekt Brunelleschi, der Reliefspezialist Ghiberti, Donatello mit seinen strahlenden Bildhauerarbeiten, Luca della Robbia als Schöpfer der weiß-blauen Terrakotta-Plastik, der Perspektivenforscher Paolo Uccello. Leonardo da Vinci und Botticelli, Piero della Francesco und Masaccio revolutionierten von hier aus Malerei, Architektur und Bildhauerkunst, mit ihnen erwacht Europa aus dem Mittelalter.

Bei unserer Stippvisite wollen wir versuchen, Florenz als Geburtsort der Renaissance zu erfassen, als die Stadt des Maßes und der lebensbejahenden Vernunft, als eine der letzten europäischen Großstädte, die dank dieser Haltung heute noch in wunderbarer Weise intakt ist, in der Handwerker wie vor Hunderten von Jahren arbeiten, Stadtkern und Umgebung noch harmonisch – und durch keine moderne Häßlichkeit gestört – zusammengehören und der Schnellimbiß noch nicht weiter als bis zur Autobahn vorgedrungen ist.

In Florenz tun Sie gut daran, sich schon mit dem Hotel auf das ambiente einzustimmen, wie der Italiener so schön für das ganze Drum und Dran sagt. Laute und stolze Luxushotels kann man unbesorgt meiden. Wie wäre es dagegen mit einem alten Palast als Unterkunft? Durchaus erstklassig ist der Patrizierpalast des Astoria. Die Porta Rossa erweist sich als ältestes albergo von Florenz, ohne daß Sie gleich in einem Bett aus dem fünfzehnten Jahrhundert schlafen müssen. Echtes cinquecento bietet der palazzo der Pension Annalena. Renaissancestil zeigt auch die Monna Lisa, während es bei der Villa Carlotta schon ins Barocke geht. Übrigens wird dieses Haus deutsch geführt. Diese Hotels liegen im historischen Stadtkern.

Eine Renaissancevilla in lachender Hügellage ist dagegen San Domenico. Durchaus ländliche Eigenart bewahrt die Villa Le Rondini, und einen Palast aus dem sechzehnten Jahrhundert bietet die vornehme Villa La Massa, sieben Kilometer von Florenz entfernt an den Ufern des Arno. Ohne der Welt völlig zu entsagen, kann man sich auf den Hügel von Fiesole zurückziehen und im 500jährigen Konvent von San Michele zur Nacht bleiben. Auch im nahen Panoramarestaurant Aurora genießt man Florenz von hoher Warte. Preispegel: 20 bis 40 Mark für ein Einzelzimmer mit Bad oder Dusche. Vollpension kostet zwischen 30 und 70 Mark, in La Massa und San Michele muß man tiefer in den Beutel greifen.

Wer trotz aller Mühe keine Kemenate findet, vertraue seine Sorgen den freundlichen Menschen der UCET (Uffici Informazioni Turistiche) an. Sie erteilen bereits im Bahnhof gleich rechts vom Ausgang kostenlosen und dennoch guten Rat – sogar in Deutsch (Telephon 298 346). Dort liegt auch ein kleiner blauer Taschenführer bereit. Er schüttet eine wahre Orgie von wissenswerten Adressen, Telephonnummern und sonstigen Angaben über den Leser aus und verrät auch die mit den italienischen Museumsdienerstreiks immer häufiger wechselnden Öffnungszeiten der Museen. Ihr Auto lassen sie natürlich am glücklich eroberten Hotelparkplatz stehen.