Der Wunsch, noch besser zu sein, erlaubt es uns nicht immer, gut zu sein. W. Goloborodjko

(Kritiker der "Literaturnaja Gaseta", Moskau)

Wer war Jack the Ripper?

Der geheimnisvolle Unbekannte, der im Herbst 1888 im Londoner East-End mindestens fünf Frauen ermordete und als "Jack the Ripper" nicht nur in Englands Kriminalgeschichte einging, sondern via Frank Wedekind auch in die deutsche Literatur, war ein Mitglied einer hochgestellten englischen Familie, die wenig Interesse an der öffentlichen Identifizierung des Gruselmörders hatte und ihn dafür privatim durch Einweisung in ein Heim unschädlich machte. Diese Kunde, die von Thomas Stowell, einem angesehenen englischen Chirurgen, stammt und jetzt über die Zeitschrift The Criminologist Verbreitung fand, wird besonders im englischen Königshaus ungern gelesen werden. Viele Anzeichen deuten nämlich daraufhin, daß es sich bei "Jack the Ripper" um Edward, den Herzog von Clarence handelte, einen Enkel von Queen Victoria, Bruder Georgs des V. und Erben des englischen Throns, der in jungen Jahren einer geheimnisvollen Krankheit erlag.

Der Erste springt

Die vor einem Jahr gegründete Kassetten-Tochtergesellschaft des Springer-Konzerns, die Ullstein AV, wird nicht nur im nächsten Frühjahr mit einem medizinischen Filmkassetten-Magazin für Ärzte im Leihabonnement aufwarten; im Sommer will sie auch kassettierte allgemeine Unterhaltung folgen lassen: Spielfilme, Krimis, Kinder-, Hobby-, Sportfilme und Populärwissenschaftliches wie eine dreizehnteilige Weltraumserie von Professor Heinz Haber. Der Vertrieb der Kassetten (Verkauf und Vermietung) wurde exklusiv der Nürnberger Firma Foto-Quelle übertragen. Damit läßt Springer die audiovisuelle Zukunft noch vor der Zeit beginnen: Preiswerte und damit wirklich für einen Massenmarkt in Frage kommende AV-Systeme wird es nächsten Sommer noch nicht geben. Die Ullstein AV bietet ihre Programme als Super-8-Filme in Bell & Howell-Kassetten an; die lassen sich zwar nicht nur mit den neuen Kassetten-Projektoren (Preis: 800 bis 1500 Mark) auf herkömmliche Weise vorführen, nämlich "lichtoptisch", sondern vom nächsten Frühjahr an auch elektronisch abtasten und auf den (Farb-)Fernsehbildschirm überspielen. Aber das dazu erforderliche, von Nordmende entwickelte Abspielgerät ("Spectra-colorvision") wird um die 2600 Mark kosten. Springers früher Einstieg in das AV-Wesen dürfte also vor allem dem Zweck dienen, Erfahrungen zu sammeln und später sagen zu können, er sei der erste gewesen.

Grabkultur in Gefahr

Verfallserscheinungen unserer Bestattungskultur sind unleugbare Tatsachen, sagte soeben der Geschäftsführer des "Bundes für Denkmalgestaltung aus Hartgestein" in Schwarzenbach/Saale. Anlaß für seinen Stoßseufzer war ein "Trendbericht", den der Geschäftsführer der vorwiegend von den Gemeinden unterstützten "Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal" in Kassel, Dr. Boehlke, veröffentlicht hat. Boehlke findet nämlich, daß die pflegeleichte, maschinengerechte Grünanlage für absehbare Zeit die einzige funktionsgerechte, landschafts- und traditionsgemäße Bestattungsstätte für den deutschen Kulturraum sei; den Benutzern werde damit ein gesellschaftskonformer, pluralistischen Zeitströmungen gemäßer Friedhof geboten. Besonders Personalmangel zwinge dazu, Großflächen für. den Geräteeinsatz durch maschinengerechte Planung zu erreichen. Doch die Steinmetze sehen Gefahren darin, nicht zuletzt "auf lange Sicht schwindende Absatzchancen", denn Grabsteine stehen einer pflegeleichten Friedhofsgrünanlage im Wege. "Für Denkmalshersteller", schreibt deshalb ihre Zeitschrift "Granit", "heißt es aber: Kampf dem Trend", sonst würde dem Trend zur Vermassung aus wirtschaftlichen Erwägungen auch auf den Friedhöfen Tür und Tor geöffnet.