ZEIT: Zum erstenmal ist in einem Kommunique der Vier Mächte gesagt worden, daß sich im Gespräch über Berlin Fortschritte ergeben haben. Lassen diese Fortschritte auf eine baldige befriedigende Regelung hoffen?

Schütz: Es ist natürlich außergewöhnlich wichtig, daß nach einem Dreivierteljahr intensiver Verhandlungen zum erstenmal das Wort "Fortschritt" in einem Kommuniqué erscheint, das sonst verhältnismäßig trocken ist. Dies signalisiert, daß man bei den Gesprächen in die eigentlichen Verhandlungen eingetreten ist.

ZEIT: Ist der Regierende Bürgermeister eigentlich glücklich darüber, daß über Berlin verhandelt wird? Manche Leute argumentieren: Es gab keine Berlinkrise und daher auch keinen Anlaß, Verhandlungen zu suchen. Andere argumentieren: Es war höchste Zeit, daß dieser potentielle Krisenherd stillgelegt wird.

Schütz: Der Regierende Bürgermeister muß deshalb sehr zufrieden sein, daß verhandelt wird, da er – wie einer seiner Vorgänger, der heutige Bundeskanzler – zu denen gehört hat, die immer wieder davor gewarnt haben, in einer Krise oder unter Druck zu verhandeln. Wir haben uns aber stets bemüht, die Partner in der Allianz darauf hinzuweisen, wie wichtig der Versuch ist, in einer Zeit relativer Ruhe zu verhandeln. Ich bin der festen Überzeugung, daß es nur sinnvoll ist, über befriedigende Regelungen für Berlin zu reden, wenn wir nicht unter dem Druck einer Krise, eines Ultimatums oder einer Kapitulation stehen. Deshalb muß jeder, der es ernst meint mit der Stadt, zufrieden sein, daß jetzt verhandelt wird.

ZEIT: Was war denn der Anstoß dafür, daß jetzt über Berlin gesprochen wird?

Schütz: Der Anstoß kam noch aus der Zeit der Großen Koalition. Damals ist die Berlinfrage in die Nato-Dokumente gekommen. Im Frühjahr 1969 erklärte der amerikanische Präsident in Berlin, daß es keine einseitigen Änderungen des Status von Berlin geben werde, daß man gleichzeitig sehr wohl bereit sei, zu zufriedenstellenden Regelungen zu kommen. Im Juli nahm Gromyko den Ball auf.

ZEIT: Die Berlingespräche sind also nicht dem zuzuschreiben, was manche die "Hektik der deutschen Ostpolitik" nennen?