An den Hamburger Schulen ist die Demokratie mit Gewalt ausgebrochen. Gewalt der Schüler schon wieder einmal?

Aber nein.

Man hat sich in der Schulbehörde Gedanken gemacht, löbliche Gedanken: Wenn das so weitergeht, werden bald nur noch Kinder und Lehrer an sechs Tagen in der Woche arbeiten. Sollte man daher nicht auch an den Schulen die Fünftagewoche einführen?

So weit, so gut. Aber die Hamburger Schulbehörde sah sich nicht in der Lage, diese in der Tat nicht einfache Frage, zu der es ja einiges pro und einiges contra zu sagen gäbe, in eigener Verantwortung zu entscheiden. Sie ließ jede einzelne Schule darüber abstimmen – wozu leben wir schließlich in einer Demokratie?

Der Abstimmungsmodus hieß: im Sommer Fünftagewoche – es sei denn, eine Zweidrittelmehrheit spricht sich für die Sechstagewoche aus; im Winter Sechstagewoche – es sei denn, eine Zweidrittelmehrheit spricht sich für die Fünftagewoche aus.

Zweidrittelmehrheit der Schüler? Nicht doch. Die dürfen zwar – in den oberen Klassen – den Bundestag mitwählen und den Hamburger Senat, aber in einer Sache, die nicht zuletzt sie selber angeht, haben sie zu schweigen.

Zweidrittelmehrheit der Lehrer also und der Eltern. Von einigen "Führungspersönlichkeiten" in diesen Gruppen hing dann auch der Ausgang jener nicht sehr seriösen Wahlen ab. An manchen Schulen soll so lange abgestimmt worden sein, bis das Ergebnis "stimmte".