Von Wolfram Siebeck

Autoren haben Schwierigkeiten beim Schreiben, das weiß man. Sie raufen sich die Haare, den Bart; sie legen Äpfel in die Schublade und Beatplatten auf – manchmal alles gleichzeitig – in der verzweifelten Hoffnung, daß ihnen dabei etwas einfallen möge.

Doch einer ist da, der hat diese Schwierigkeiten nicht. Von Hervey Allen, einem amerikanischen Bestsellerautor, wird berichtet, daß er sich mit geschlossenen Augen aufs Bett legt und den Stimmen seiner Ahnen lauscht, die ihm über eine Art von metaphysischem Telephon die Ideen liefern.

So einer hat’s gut. Wenn ich mich hinlege und Oma und Opa im Himmel um Ideen anflehe, nimmt keiner den Hörer ab. Und weil ich gerade so schön liege, schlafe ich meistens ein. Oder, wie es unlängst passierte, es meldet sich schließlich ein Urgroßonkel mütterlicherseits und diktiert mir den einigermaßen witzigen Satz: "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter." Worauf sich sofort seine Schwester einschaltet und ihn des Plagiats bezichtigt. (Schon zu Lebzeiten soll sie ihm die Hölle heiß gemacht haben, sagt man in der Familie.)

Wenn ich also nie ein Bestsellerautor werde – und alle Anzeichen sowie die Sparsamkeit meines Verlegers* deuten darauf hin – so ist daran nicht zuletzt der Umstand schuld, daß meine Ahnen kläglich versagen.

Um so produktiver sind meine Nachkommen.

Kaum versuche ich nämlich – ohne jede metaphysische Hilfe – einen einigermaßen witzigen Satz zustande zu bringen, taucht unangemeldet so ein Nachkomme auf und fragt: "Kennst du Wörter mit zwei ‚n‘?"