Von Nina Grunenberg

Hildegard Knef, die bei ihrer Taufe noch die schönen altmodischen Vornamen Frieda Albertina erhielt, hat ein Buch geschrieben, das ihr niemand zugetraut hat. Ob es zu Recht der Schlager der Saison wurde, von dem jetzt schon 230 000 Exemplare verkauft sind und die fünfte Auflage gedruckt wurde, werden die meisten ihrer Leser nicht wichtig finden. Daß die Ungerechtigkeiten der Branche groß sind, kann auch nicht erst durch Hildegard Knef bekanntgeworden sein. Aber selbst, wenn man die Werbekampagne für eine Viertelmillion Mark in Rechnung stellt, die zwanzigjährige Publicity-Vergangenheit der Autorin dazuzählt und zuletzt auch ihren schönen Mann und Manager nicht außer acht läßt, bleibt für mich übrig, daß

Hildegard Knef: "Der geschenkte Gaul", Bericht aus einem Leben; Fritz Molden Verlag, Wien; 468 S., 26,– DM

das unterhaltendste und amüsanteste Buch ist, das ich in diesem Herbst gelesen habe.

Skeptisch war ich auch, aber nur bis zur ersten Seite. Das Buch beginnt mit der "Liebeserklärung an einen Großvater". Wer jemals nach Anfängen gesucht hat, der muß das bewundern: "Meiner hieß Karl, er war mittelgroß und genauso kräftig, wie er aussah. Er trug den Kopf sehr gerade, die Wirbelsäule auch, und er hatte einen großen Mund mit vielen Zähnen; er hatte sie noch alle 32, als er mit 81 Jahren Selbstmord machte. Sein Jähzorn war das Schönste an ihm, erstens weil er sich nie gegen mich richtete und weil er so wild und rasch kam, wie er verging, und wenn vergangen, wurde sein Gesicht warm wie ein Dorfteich in der Sommersonne und seine Bewegungen verlegen und einem fischenden Bären gleich."

"Der geschenkte Gaul" beweist, daß das viel-

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