Mr. Knott im obersten Stockwerk seines Hauses hält sich von der Emsigkeit der Familie fern. Um ihn herrscht eine tote Ereignislosigkeit, so daß es Watt als ganz großes Erlebnis registriert, als einmal, ein alter blinder Klavierstimmer mit seinem Sohn kommt. Knott pflegt auch nicht etwa näheren Umgang mit seinen Dienern. Nachdem er einmal zu Anfang lange an Watt hinmonologisiert hat, tritt er nie wieder mit ihm in Kontakt.

Überhaupt ist der einzige Kontakt der Figuren in diesem Beckett-Roman, daß sie versuchen, voneinander zu erzählen. So hatte Watt zu. Beginn des Buchs seine bürgerlichen Erzähler, unter anderem einen Mr. Hackett, dessen Name wiederum an Beckett erinnert; Watt selber aber wird zum Erzähler der Figur Knott; Watt wiederum findet einen weiteren Erzähler. Als Insasse eines Irrenhauses trifft er auf eine Parallelfigur, der er von Knott berichtet. Diese Parallelfigur wiederum erzählt von Watt und von den seltsamen Begegnungen der beiden im Irrenhausgarten, von dem Versuch Watts, in einer systematisch deformierten, langsam versiegenden Sprache von Mr. Knott zu erzählen Und von des Erzählers Versuch wiederum, die "unaussprechlich? Welt Watts" zu benennen. Sie alle bedürfen eines Erzählers, eines Zeugen, "um nicht zu enden".

Die Versuche zu erzählen sind vergebliche Versuche der Annäherung an den jeweiligen Gegenstand, der unerreichbar bleibt. Auf diese Weise wird das Erzählen, mit Kafka zu reden, zum "stehenden Sturmlauf"; meist verliert es sich auf dem Weg zu seinem Gegenstand oder verwirrt sich in ritualisierten Nebensächlichkeiten.

Nach bewährtem Knott-Grundsatz wird Watt von einem anderen Diener abgelöst und geht fort, wie er einst erschien – hinaus in die Dämmerung, eine seltsame und ungeheuerliche Gestalt. Er wandert auf einen einsamen kleinen Vorortbahnhof zu, von dem in der Nacht kein Zug abfährt. Dort hat er, in der Stille wartend, eine Begegnung. Eine undefinierbare Gestalt bewegt sich. "in einer lahmen Überstürzung" auf ihn zu, ohne recht voranzukommen. Watt blickt fasziniert zu ihr hin. "Denn Watts Sorge galt, so unergründlich dies scheinen mag, eigentlich nicht dem, was die Gestalt in Wirklichkeit war, sondern dem, was die Gestalt in Wirklichkeit zu sein schien. Denn seit wann galt Watts Sorge dem, was die Dinge in Wirklichkeit waren." Das bedeutet, auch diese Gestalt könnte Watts Projektion sein, und sie offenbart ähnliche Eigenschaften wie Watt, der sich ebenfalls mit vielen Hindernissen vorwärts bewegt, und kaum vorwärts kommt. Watt selber ist wie eine Vision, eine Erscheinung, aber auch diese Figur ist wie eine Vision; sie wird ohne Unterbrechungen ihrer Bewegungen immer undeutlicher und verschwindet endlich im Dunkeln. "Watt schien aus irgendeinem dunklen Grunde dieser besonderen Halluzination eine außerordentliche Wichtigkeit beizumessen."

Nach dieser Szene gibt es nur noch den letzten Akt im Drama Watt, die Endstation seiner deformierten Lebenspassion – auf einem kleinen verlassenen Bahnhof. Er bleibt die Nacht im Wartesaal, und als morgens aufgeschlossen wird und die Bahnwärter ihn finden, ist er wie tot. Aber er belebt sich noch einmal schwach, verlangt eine Fahrkarte "bis ans Ende der Welt" oder, da es die nicht gibt, "bis ans Ende der Strecke", und fährt weg. Die Randfiguren, in diesem Falle die Bahnwärter, bleiben rätselnd zurück und bereden den Fall, ohne ihn lösen zu können. So hat der Held, bei seinem Auftritt und bei seinem Abgang seinen Chor, der aber nun keine Weisheiten mehr von sich gibt wie im griechischen Drama, sondern nur noch seine Ratlosigkeit offenbart.

Das Buch hat noch einige "Addenda", deren Einfügung in den Roman "Müdigkeit und Verdruß" verhinderten. Aber der Autor empfiehlt ihr sorgfältiges Studium. "Und es war immer ihr (der Wüste und des Himmels) langes dunkles gemeinsames Fluten auf die Illusion einer Vereinigung zu, was er vor sich sah." Oder: "Totenstille, dann ein Murmeln, ein Name, ein gemurmelter Name, aus Zweifel, aus Furcht, aus Liebe, aus Furcht, aus Zweifel, Winterwind in den schwarzen Zweigen, kalte ruhige See, die flüsternd weiß wird zum Strand hin, schleichend, heranschwellend, dahinschwindend, verebbend, von nichts her, zu nichts hin."

Im Gleichnis der Wüste und des Himmels, endlich des Meeres verbirgt sich eine Sphinx, vor der Watt vielleicht deswegen krankhafte Angst hat, weil sich herausstellen könnte, daß es keine Rätsel gibt außer dem Rätsel Watt selbst und dem, das er herstellt.