Der Traum von einer europäischen Weltraumfahrt ist auf der "4. Europäischen Weltraumkonferenz" dieser Tage in Brüssel zunächst einmal zerronnen. Was die dreizehn Länder Ende Juli beschlossen hatten – ein europäisches System von Nachrichten-, Wetter- und Navigationssatelliten sowie den Bau. einer europäischen Trägerrakete –, zählte für einige einfach nicht mehr. England lieferte die große Enttäuschung. Seine Delegierten meinten trocken: An Vorhaben, deren Kosten und Nutzen für niemanden klar erkennbar seien, könnten sie sich nicht beteiligen.

Als Konferenzvorsitzender Theo Lefevre, Belgiens Wissenschaftsminister, die klare Frage stellte: "Wollen Sie das zusammenhängende Gesamtprogramm europäischer Raumfahrt gemeinsam durchziehen?", antworteten mit eindeutigem Ja allein Deutschland, Belgien und Frankreich. Schweden und die Schweiz, eventuell Spanien wollen von Fall zu Fall mitmachen – kein Raumfahrtmenü mitfinanzieren, sondern nur à la carte daran nippen. Die übrigen Länder, namentlich Großbritannien, wollen sich die Sache bis Jahresende überlegen.

Der Streit um die Raketen ist nicht neu. Seit Jahren behaupten die Briten, es sei Unfug, in Europa Raketenentwicklungen zu bezahlen, die Amerika bereits vor zehn Jahren beendete. Doch die USA weigerten sich bisher, den Europäern für deren Nutzsatelliten Träger zur Verfügung zu stellen.

Das Ultimatum der Amerikaner: Die Europäer sollen sich zu 10 Prozent möglichst mehr – am Nach-Apollo-Programm der NASA (Kosten: mindestens 10 Milliarden Dollar) beteiligen.

Mögliche Druckmittel lernte Lefevre kürzlich in den USA kennen: Sollte, so machten ihm die Amerikaner verständlich, eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Gesellschafterversammlung von "Intelsat" der Meinung sein, europäische Nachrichtensatelliten machten dem Intelsat-System Konkurrenz, schädigten also dessen Geschäfte, dann gebe Amerika keine Raketen. Daß Washington diese Zwei-Drittel-Mehrheit stets dann, wenn es um Geld geht, zusammenbringt, bezweifelte in Brüssel niemand. hb