Am Suezkanal herrscht weiterhin Waffenruhe. Beide Seiten haben den am 5. November ausgelaufenen Waffenstillstand um weitere neunzig Tage verlängert. In dieser Zeit sollen die Friedensgespräche unter UN-Vermittler Jarring wieder aufgenommen werden.

Nach der diplomatischen Niederlage, die Israel in der vorigen Woche bei den Vereinten Nationen hinnehmen mußte, gibt es Anzeichen für einen Kurswechsel. Verteidigungsminister Dayan hat in einer aufsehenerregenden Rede, die in Jerusalem eine heftige Kontroverse auslöste, auf einer Fortsetzung der Jarring-Gespräche bestanden, ohne die israelischen Vorbedingungen zu wiederholen: Völliger oder doch teilweiser Rückzug der Raketen, die Ägypten während des Waffenstillstands in die Kanalzone vorgeschoben hat.

Dabei ging er offenbar von drei Überlegungen aus: die amerikanischen Waffenlieferungen haben das Gleichgewicht am Kanal wiederhergestellt; Israel droht diplomatisch isoliert zu werden, und der neue Waffenstillstand ist nicht förmlich, mit Stillhaltebedingungen, vereinbart worden.

Die neue Nahostresolution der Vereinten Nationen, die Washington und Jerusalem nicht verhindern konnten, ist in drei Punkten – Räumung der besetzten Gebiete, Rechte der Palästinenser und Jarrings Befugnisse – entschiedener formuliert als die Resolution des Sicherheitsrates vom November 1967.

Auf arabischer Seite gehen die Bemühungen weiter, die Parteien zu versöhnen. In Amman bekannte sich der neue, von den Freischärlern abgelehnte Ministerpräsident Teil zu den Zielen der Palästinenser. Das gegenseitige Mißtrauen ist aber noch nicht überwunden.

Die Staatschefs von Ägypten, Libyen und dem Sudan haben in Kairo beschlossen, eine Konföderation ihrer Länder herzustellen. Damit wird ein Gedanke verfolgt, den Nasser 1969 "sehr ernsthaft" erwogen haben soll.