Aus solchen Kalkulationen entstand der Gedanke, die von einem Synchrotron beschleunigten Teilchen auf Kollisionskurs zu bringen. Doch ergab sich hierbei ein Problem. Der vom Beschleuniger gelieferte Teilchenstrahl ist nicht dicht genug, als daß man mit einer ausreichenden Trefferquote der winzigen Partikel rechnen könnte, wenn etwa die eine Hälfte der beschleunigten Teilchen gegen die andere geschossen würde.

Den Weg aus diesem Dilemma weisen die Speicherringe. Wie der Ring eines Beschleunigers besteht der Speicherring aus einer nahezu luftleeren, torusformigen Röhre und Magneten, die die Elementarteilchen zwingen, in der Röhre zu kreisen, ohne mit der Röhrenwand in Berührung zu kommen.

Protonen werden gestapelt

In diesen Ring gelangen die vom Beschleuniger auf hohe Energie gebrachten Teilchen, und hier sorgen Apparaturen dafür, daß sie ihre Geschwindigkeit beibehalten. Während aber der eine Teilchenschub in dem Speicherring kreist, können noch weitere Schübe in ihn gebracht werden. So wird der in dem Ring kreisende Teilchenstrom immer dichter, die Teilchen werden "gestapelt", wie es in der Fachsprache heißt.

Zwei solcher Speicherringe werden auf diese Weise gefüllt. Und wenn die Teilchenströme stark genug geworden sind, dann lenkt man sie aus ihren – gegenläufigen – Kreisbahnen heraus und läßt sie zusammenstoßen. Jetzt ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es zu Frontalkollisionen kommt, groß genug.

Im CERN soll dieses Prinzip zum erstenmal in großem Maße verwirklicht werden. Die beiden Speicherringe sind hier nicht Kreise, sondern nur kreisähnliche Gebilde, gewissermaßen Quadrate mit abgerundeten Ecken sind. Die beiden einander gleichen Ringe sind konzentrisch so zueinander gestellt, daß sie sich – dank ihrer besonderen Form – an acht Punkten kreuzen. An diesen acht Stellen können die Protonenströme aufeinander gelenkt werden.

Der erste dieser beiden Ringe ist jetzt probeweise mit Protonen aus dem CERN-Synchrotron beschickt worden. Auf Anhieb konnte der Protonenstrom zuerst zwanzig und später sogar vierzig Minuten lang aufrechterhalten werden. Auch die "Stapelung" der beschleunigten Protonen gelang.