Sollten Sie sehen:

"Gott und Teufel im Lande der Sonne" (1964), von Glauber Rocha. Um 1940 hatte das Elend im Sertao, der Steppe im Nordosten Brasiliens, ein solches Ausmaß angenommen, daß die Landarbeiter sich erhoben. Ihre Revolte nahm teils revolutionäre, teils mystizistische Züge an. Die Cangaceiros führten einen blutigen Kampf gegen die Feudalherren und kultivierten eine barbarische "Moral", die im Massaker ihre Apotheose fand. Gleichzeitig sammelten die "Beatos", primitive Propheten, Hunderte von Anhängern um sich, denen sie eine neue Sintflut verhießen, die aus dem Sertao fruchtbares Land machen würde. Glauber Rochas zweiter Film erzählt die Geschichte eines Vachero, der sich zuerst einem Propheten und später dem Cangaceiro-Hauptmann Corrisco anschließt. Seine Episoden entwickeln sich aus den Strophen eines Romanceiro, eines Volksepos, das von einem blinden Bettler gesungen wird.

"Berlin-Alexanderplatz" (1931), von Phil Jutzi. Aus einer Distanz von bald vierzig Jahren gesehen, rücken wie im Teleobjektiv auseinanderliegende Dinge zusammen. Man erlebt Gesichter, Körper, Bewegungen, Gesten, Stimmen, Sprechweisen, Redensarten, Formen des Sicht- und Hörbaren, die es in der Realität gar nicht mehr gibt. Auch Kameraeinstellungen und -bewegungen, Schnitte, Blicke. Alte Filme sehen: dem Tod bei der Arbeit zuschaun. Zwischen den Bildern dieses Films kann man über das vorhitlerische Deutschland mehr erfahren als in den Zeilen manchen Erinnerungsbuches.

Im Fernsehen: "Elektra" (1961), von Michael Cacoyannis, Hessen III am 13. November. "King Kong und die weiße Frau" (1932) von Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack, ZDF am 13. November.

Wenn Sie nichts Besseres vorhaben:

"Götter der Pest", von Rainer Werner Fassbinder. Einmal wird ein Neger gefragt, woher er sei; seine Antwort, mit authentischem Akzent: "Aus Bayern!" Wie er, traurig, eine Hinterlassenschaft Amerikas in der Münchner Vorstadt ein bißchen so ist auch der Film. Amerika scheint durch, amerikanisches Kino und amerikanisches Gangstertum, beide unerreichbar. Zusätzlich. gebrochen sind die fernen Vorbilder durch das Prisma der Neuen Welle. Ein Hauch von Banlieu liegt über Giesing. Während aber die Zitat-Methode Truffauts und Godards, in "Schießen Sie auf den Pianisten" etwa und der "Außenseiterbande", aus den zitierten Mustern etwas anderes, Neues machte, eine zweite Natur, werden sie bei Fassbinder nur zerschlissen und verdünnt. Matt und mechanisch, wie Fassbinders Helden ihre Mädchen umarmen, so nähert er sich selbst seinen Vorbildern. Ein Musikeinsatz, ein Schwenk, ein Schnitt – sie sind bei ihm so leer, so zwanghaft, so plakativ, wie er seine Männer reden oder einem Mädchen unter den Rock greifen läßt. Als wollten sie immerzu etwas beweisen.

"Performance", von Donald Cammel und Nicholas Roeg. "Medium Cool", von Haskell Wexler. –