Der "Bund Freiheit der Wissenschaft" ruft zu seinem Gründungskongreß. Viele überlegen, ob sie diesem Ruf folgen sollen. Es wird hier und immer wieder zu fragen sein:

Professoren schließen sich zusammen, um die "Freiheit der Wissenschaft" zu retten. Auf ganzseitigen Anzeigen haben sie während der vergangenen Woche eingeladen zum Gründungskongreß am 18. November in Bad Godesberg.

Die Namen der Einladenden – von Gerhard Löwenthal über Hans Maier und Erwin K. Scheuch bis zu Gerhard Schröder – geben zunächst der Hoffnung wenig Nahrung, daß sich da liberal-progressive Reformer zusammengeschlossen hätten, denen es in erster Linie darum ginge, dem Sturm der roten Kader und Zellen auf die Universitäten, die "fragilsten unserer Institutionen", abzuwehren. Im Gründungsaufruf könnte es so klingen.

Zwei Sätze aus dem Aufruf freilich wird sich die ZEIT gern zu eigen machen: "Wir stellen uns gegen die Herrschaft der Phrase. Wir werden die Öffentlichkeit darüber aufklären, was an den Universitäten wirklich geschieht."

In diesem Sinne haben wir den Berliner Senator für Wissenschaft und Kunst, Professor Werner Stein, um eine Stellungnahme zu dem Gründungsaufruf gebeten, die wir auf Seite 14 abdrucken. Stein ist mehr als andere verantwortlich für das Berliner Hochschulgesetz und allein dadurch (ungenannter) Gegenspieler der Bundesgründer. Er ist, so gesehen, Partei.

Aber wir leugnen nicht, daß seine Partei – zumindest, was den Artikel "Über neue Hochschulgesetze" anlangt – die unsere ist. Wie er wollen wir alle legalen Mittel befürworten, die eingesetzt werden können gegen eine Zerstörung der Universitäten von außen oder von innen her. Wie er müssen wir davor warnen, an Stelle der zur Zeit total nur in Berlin herrschenden Polarisierung zwischen Reformern und Revolutionären einen Weg zurückzustehen zu der Polarisierung, mit der sich allzuviele eingerichtet hatten: der zwischen Überprivilegierten und Unterprivilegierten. Wie er haben wir in dieser Zeitung die Unfähigkeit der alten Ordinarien-Universität zur Selbstkritik viele Jahre lang erfahren und haben es erlebt, wie auch berechtigte Kritik an Mißständen mit hybrider Selbstherrlichkeit zurückgewiesen wurde. Unsere Archive sind voll von Dokumenten und Zeugnissen dafür.

Den Weg der Mitte zu finden zwischen ultralinkem Radikalismus und ultrarechter Reaktion, wird nicht leicht sein. Es war mit den Wegen der Mitte nie leicht in Deutschland. Unmöglich aber ist es nicht. Denn wenn wir uns umsehen im Kreise unserer Freunde und Mitarbeiter an den Universitäten, im Kreise der Hochschullehrer, die seit Jahren für die Reformen arbeiten: dann finden wir ihre Namen weder in den Mitgliederlisten der Roten Zellen noch unter dem Gründungsaufruf.