Gewisse Abläufe benötigen Platz. Werden sie – Kriege, Reisen, weiträumige Sports – in Spielen nachvollzogen, ist das nicht anders. Was ein Problem schafft: Wie bringt man einen umfänglichen Spielplan vernünftig unter, ohne ihn zu oft zu falzen? Denn Falze stören beim Spielen ungemein. Meist vermochten die Spielerischer keine bessere Lösung anzubieten als Riesenkartons mit viel zuviel Luft drin. Da mußten mal wieder die Amerikaner kommen, um einen großen Spielplan clever zu offerieren: Die ‚3-M-Sport-Games" sehen aus wie lange, schmale Bücher und haben einen Druckknopf. Schnappt man ihn auf, braucht man das, was hierzulande der Karton ist, nur auseinanderzuklappen, und der Spielplan liegt, in weichen Kunststoff eingeschweißt, gebrauchsfertig auf dem Tisch. Übrig bleibt eine dünne Schachtel mit den Utensilien.

Aber nicht nur die Aufmachung, auch die Spiele haben es "3-M" in sich:

"Thinking Man’s Golf" breitet vor den Jüngern des viel zu kleinen Balls, der in einem viel zu kleinen Loch landen muß, die achtzehn schönsten Spielbahnen der USA maßstäblich und graphisch wunderschön aus. Gespielt wird mit einer Lochschablone und einem Fettstift durchaus champion-like: Da gibt es keinen drive unter zweihundert Meter, dafür aber üble hooks und sclices, und dies alles zwei Würfeln entsprechend, die mittels einer Informationstafel für alle im Golf vorkommenden Schläge mit sämtlichen möglichen Schlägern auf den fairway (oder daneben) zu übertragen sind. Es geht zu wie auf der echten, edlen, grünen Bahn: Bälle landen im rough oder im trap, sind unspielbar oder werden verloren – und schließlich gewinnt Oma, die noch nie einen Golfschläger gesehen, geschweige denn in der Hand gehabt hat; denn Glück ist hier, entgegen dem Titel, doch das letztlich ausschlaggebende.

Noch mehr Glück bedarf es bei "Win, Place & Show"; doch hier ist es Absicht. Schließlich soll ja die Atmosphäre um den Wettlauf der Rassegäule möglichst getreu simuliert werden; vom Kauf der Vollblüter und ein ganzes aufregendes Rennprogramm hindurch, über aufregendes Distanzen mit ständig steigenden verschiedene bis zum Inkasso der Quoten-Astrologen. Wer will, kann alles zusammen sein: Stallbesitzer, Jockei und Wetter. Ein faszinierendes, abendfüllendes Spiel für ganze Partys; denn wem es nicht vergönnt ist, eines der sechs Pferde pro Rennen zu ersteigern, der versucht sein Glück eben am Totalisator.

Das edelste Spiel aus der Reihe aber ist "Regatta". Da liegen die Jachten vorm Wind, kreuzen, runden Wendebojen, setzen Spinnaker, nützen geschickt Böen, bis sie nach Umseglung dreier Inseln, die man für jedes Spiel anders placieren kann, die Ziellinie erreichen.

So macht man Spiele! Da ist 3-M einsame Klasse. Eugen Oker