Von Friedrich Andrae

Als der Realschullehrer Bruno Gebhardt und mitarbeitende Gymnasiallehrer, Bibliothekare und Archivare 1891/92 das zweibändige "Handbuch der deutschen Geschichte" veröffentlichten, wollte er sich damit "an einen größeren Kreis von Lehrenden und Lernenden" wenden und "mehr die Teilnahme der Gebildeten als der Fachgelehrten erringen". Was dem Juden aus Krotoschin seiner Herkunft wegen versagt blieb, der Erfolg als Universitätslehrer, schaffte sein Werk: Generationen von angehenden Historikern haben seither den "Gebhardt" als nützliches Hilfsmittel schätzen gelernt, kaum ein Professor dieses Faches, der nicht das Handbuch als Grundlage wissenschaftlicher Kenntnisvermittlung nachdrücklich seinen Studenten empfohlen hätte.

Bis 1930 erschienen sieben Auflagen, in denen grundsätzlich der ursprüngliche Aufbau und Text beibehalten und im wesentlichen nur die jeweils neuen Forschungsergebnisse und neue Literaturhinweise einbezogen wurden. Zunehmend aber konnte sich "Gebhardt" auf die Mitarbeit von Universitätslehrern stützen.

Erst die 8. Auflage von 1954/60 wurde gründlich umgestaltet, so daß vom alten "Gebhardt" nicht mehr als Name und Titel blieben. Die aber waren längst Markenzeichen geworden, an denen der neue Herausgeber und die Mitarbeiter festhielten, als nach mehreren Nachdrucken jetzt wieder eine Neuauflage fällig wurde, die wie die vorhergehende in vier Bänden erscheinen soll, von denen drei vorliegen:

"Gebhardt: Handbuch der deutschen Geschichte"; 9., neu bearbeitete Auflage; hrsg. von Herbert Grundmann; Union Verlag, Stuttgart 1970/71; Bd.l: "Frühzeit und Mittelalter"; 899 Seiten, Ln. 68,–, Hldr. 76,–DM; Bd. 2: "Von der Reformation bis zum Ende des Absolutismus"; 863 Seiten, Ln. 64,–, Hldr. 72,– DM; Bd. 3: "Von der Französischen Revolution bis zum ersten Weltkrieg"; 584 Seiten, Ln. 56,–, Hldr. 64,– DM.

Die Veränderungen gegenüber der 8. Auflage fallen nicht stark ins Auge: Beiträge wurden überarbeitet, hier und da, vor allem im 3. Bind, umgearbeitet, teils stärker, teils weniger stark ergänzt, auf den neuesten Stand gebracht. Aber beibehalten wurde der formale Aufbau; die Mitarbeiter sind, bis auf eine Ausnahme – Josef Fleckenstein hat im ersten Band an Stelle des verstorbenen Fritz Ernst den Abschnitt über das 10. Jahrhundert geschrieben – dieselben wie vor zehn Jahren.

Handliches und zu handhabendes Wissen, sachliche, im wesentlichen auf Fakten, Ereignisse und aussagbare Ergebnisse bezogene Informationen werden hier geboten und in übersichtlicher, stark gegliederter Disposition, mit reichlichen Literaturhinweisen versehen, durch Namen- und Sachregister erschlossen, dem Benutzer als Lern- und Arbeitsmittel dargeboten: Kein Zweifel, mit dem "Gebhardt" werden auch künftig Studenten und Lehrer zu Nutz und Frommen von Studium und Unterricht arbeiten können – vorausgesetzt, sie nehmen das Handbuch nicht als summa historica.