Von Robert Strobel

Immer mehr wird Mexiko auch für Europäer ein Reiseland. Die Angebote verbilligter Gesellschaftsreisen werden von Jahr zu Jahr preiswerter. Ihr Programm muß sich natürlich der im Durchschnitt knapp bemessenen Reisedauer anpassen. Immerhin bekommt man auf einer solchen Reise einen ungefähren Eindruck von der gewaltigen Sieben-Millionen-Stadt Mexico City mit ihren in drei Kulturen und einer rasanten Modernisierung wurzelnden Gegensätzen. Man besichtigt sozusagen vor den Toren der Stadt die gewaltigen Pyramiden von Teotihuacan, großartige Zeugen einer versunkenen indianischen Welt. Auch eine Fahrt in das etwa 80 Kilometer von Mexico City entfernte Cuernavaca (ein von vielen Hauptstadtbewohnern wegen seines subtropischen Klimas gern aufgesuchter Erholungsort) wird meistens in solche Pauschalreisen eingeschlossen. Den Touristen führt man vor allem wegen der landschaftlichen Schönheiten der Fahrt dorthin. Zwei gut ausgebaute Hochstraßen gehen bis auf 3000 Meter hinauf und bieten herrliche Ausblicke auf die Schneefelder des mehr als 5000 Meter hohen Popocatepetl und des Ixtaciuatl.

Ein Standardziel jeder Mexiko-Reise ist Acapulco. Es ist etwa 400 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Mit dem Flugzeug erreicht man es von Mexico City aus in etwas weniger als einer Stunde (der Hin- und Rückflug kostet etwa 120 Mark). Mit dem Autobus braucht man dagegen sechs Stunden. Die Busse sind allerdings komfortabel ausgestattet, haben eine Klimaanlage; ihre blauen Fensterscheiben, die die Passagiere gegen die brennende Sonne schützen, dämpfen freilich die kräftigen Farben der Landschaft.

Wer von Europa nach Mexiko kommt, will natürlich die vielbestaunten Denkmäler der alten indianischen Kulturen, vor allem in Uxmal und Chitzen-Itza sehen. Von Mexico City fliegt man in etwas mehr als einer Stunde nach Merida, der Hauptstadt von Yukatan. Von dort fährt man im Auto oder einem Bus an einem Tage in das etwa 60 Kilometer südlich von Merida gelegene Uxmal und am nächsten Tag in östlicher Richtung in das doppelt so weite Chitzen-Itza.

Wer aber als Einzelreisender nach Mexiko kommt (es gibt auch für ihn bereits stark ermäßigte Flugpreise) und wer sich für seinen Aufenthalt dort mindestens fünf bis sechs Wochen Zeit nimmt, der sollte wenigstens streckenweise im Auto durch das Land fahren. So kann er seine Reiseroute besser seinen Interessen und Wünschen anpassen. Er kommt so leichter mit den Einheimischen in persönliche Berührung und kann im Gespräch mit ihnen ihre Welt besser verstehen lernen.

Ein Mietauto ist hier sehr billig. Das Benzin kostet nicht einmal halb soviel wie bei uns. In einem Hotelverzeichnis des Automobilclubs sind die Hotels und Restaurants der größeren Städte mit deutlich bezeichneten Qualitätsunterschieden und ihren Preisen aufgeführt. Man kann sich auf diese Hinweise im allgemeinen verlassen. Die großen Durchgangsstraßen sind gut. Mehr als die Hälfte des gesamten Straßennetzes ist asphaltiert. Für die Benutzung von Autobahnen, die erst streckenweise ausgebaut sind, wird eine Gebühr erhoben.

Die längste unserer Autoreisen durch Mexiko war fast 4000 Kilometer lang. Sie führte uns von Mexico City über Veracruz und Villahermosa nach Campeche, der Hafenstadt am Atlantik, die früher oft von Seeräubern bedroht wurde und noch heute mit ihrer Festung auf der Höhe und den starken Mauern, von denen der größte Teil noch steht, an jene böse Zeit erinnert. Von Campeche fuhren wir nach Uxmal, diesem Kleinod aus der Maya-Zeit, und dann über Merida nach Chitzen-Itza, der einst größten Maya-Stadt, in der die Kunst der Mayas mit dem Stil der Tolteken in einer großartigen Harmonie zusammenwuchs. Fährt man noch 200 Kilometer weiter nach Nordosten, erreicht man die Küste an der Karibischen See und kann von dort mit einer etwas wackligen Fähre auf die weltabgeschiedene Isla Mujeres hinüberfahren. Sie soll ihren merkwürdigen Namen (Insel der Frauen) deshalb bekommen haben, weil ihre Entdecker angeblich nur Frauen auf ihr vorfanden. Nach einer romantischen Deutung dieser Oberlieferung soll die Insel von Seeräubern bewohnt gewesen sein, die eines Tages ihre Frauen dort zurückgelassen hätten und geflüchtet seien. Nach einer nüchterneren, plausibleren Erklärung sollen die Männer damals gerade beim Fischfang gewesen sein. Auf dem Rückweg fuhren wir über den Isthmus nach Tehuantepec und Oaxaca mit den ihm benachbarten Ruinen von Monte Alban, dem "mexikanischen Troja", und der "Totenstadt" Mitla.