Von Jürgen Werner

Was weiland Englands Suffragetten für die Emanzipation der Frau auf dem politischen Sektor erkämpften, realisierten im Sport jetzt Deutschlands Fußballbräute. Bisher stand er im Tor und sie dahinter. Tradition und konservatives Rollenbild der Frau ließen das Abseits der Damen zur Regel für den Fußballsport werden. Diese Abseitsregel wurde durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aufgehoben, das Fußballspielen für Frauen und Mädchen legalisiert. Das dreifache K – Symbol für Küche, Kirche, Kinder als klassische Wirkungsbereiche der Frau – wird ab sofort durch ein viertes erweitert: Jetzt kicken sie auch. Die letzte Bastion im Kampf um die Behauptung männlicher Domänen ist gefallen, Wo Männer solche noch sein durften, rutschen, rennen, rempeln nun auch Frauen.

Dr. Riebow, Vorstandsmitglied des DFB, hatte gegen das Rempeln im Frauenfußball Bedenken geäußert. Bei den Männern legitimes Mittel, den Gegner beim Kampf um den Ball aus dem Gleichgewicht zu bringen, berge es Verletzungsgefahr bei den Frauen. Motto: Eine Dame bewahrt immer Haltung. Vor allem gegen solche Vorurteile, Klischees traditioneller Prägung, kämpft der Frauensport nicht erst seit der Einführung des Frauenfußballs. Inzwischen haben Mediziner und Physiologen nachgewiesen, daß auch die Frau, sorgfältig trainiert, Disziplinen absolvieren kann, die ausschließlich den Männern vorbehalten schienen wie etwa die 1500-Meter-Strecke, das Radfahren oder auch der Schießsport.

Die Zeit der Anpassung ist vorbei, Tabus gibt es auch für den Frauensport nicht mehr. Dennoch gibt es gute Argumente, die viele zumindest die Entwicklung des Frauenfußballs mit einiger Skepsis beobachten lassen. Auch wenn man nicht wie in Paraguay der Meinung ist, Frauenfußball sei gegen die weibliche Natur, denn welcher Mann könnte sich schon rühmen, diese je ganz ergründet zu haben, bleiben doch einige Vorbehalte, die in der Wettkampfpraxis sichtbar wurden, Nicht die Tatsache, daß nun Frauenjäger – wie "Bild" meldete – ihr Unwesen treiben könnten, um wohlgeformte Waden und andere weibliche Attribute kommerziell zu nutzen, wirkt schockierend.

Genau das Gegenteil ist der Fall. In einem Spiel Italien gegen eine deutsche Auswahl am 31. Oktober in Köln (1:1) wurden allein drei Spielerinnen ins Krankenhaus gebracht: Kopf- und Fußverletzungen waren die Folge fehlender Vorbereitung, mangelnder Technik, laienhafter Spielauffassung. Die Frauen waren mehr damit beschäftigt, ihre eigenen Bewegungsabläufe zu koordinieren als sich auf den Ball, Mitspielerin und Gegner zu konzentrieren. Ganz deutlich zeigte sich, der Ball war zu schwer, die Wege zu weit, das Unvermögen zu groß. So entstand die Karikatur eines Fußballspiels, die Epigonen spielten eine Komödie, obwohl sie Drama mimten. Nach dem Tor der deutschen Mannschaft verschwand die Torschützin unter einer Lawine von Busen und Schenkeln: imitierte Schau ohne Sex und Sinn.

Inzwischen nahm sich der internationale Dachverband des Fußballs, die FIFA, dieses Problems an. Sie empfahl den Fußballverbänden in den einzelnen Ländern, den Frauenfußball zu integrieren, um die Kontrolle über die zunehmende Zahl der fußballspielenden Frauen zu behalten. In zwölf Ländern der Welt ist diese Disziplin durch die Verbände legalisiert, in 21 Ländern wird auch ohne ihre Erlaubnis gekickt im Sinne Coubertins: Dabeisein ist alles. Die Motivation der Frauen reicht von "es den Männern zeigen wollen" über "ich will auch berühmt werden" bis zum Ausspruch "mir macht es Spaß". Eine progressive Vertreterin dachte sogar schon weiter. Auf die Frage eines Reporters, ob sie auch für Geld spielen würde, schränkte sie diplomatisch ein: "Noch nicht."

Die Zeit ist nicht mehr fern, wo Gerda Müller statt zu Hause auf dem Fußballplatz "abstauben" wird, statt die Treppen den Strafraum leerfegen und ausputzen wird. Eine Zukunftsvision, die viel von ihrer Schrecklichkeit verliert, betrachtet man die objektiven Schwierigkeiten ihrer Realisierung. Abgesehen von der Konstitution der Frau, die rein biologisch auf Grund schwächer entwickelter Muskulatur und damit verbundenem geringerem Leistungsvermögen und verminderter Resistenz von Bändern und Gelenken bei maximaler Beanspruchung eine Leistungsdifferenz bedingt, bleibt ein weiteres Argument unwiderlegbar: Die optimale Phase für das Erlernen von balltechnischen Fertigkeiten sind die Jahre zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr.