"Treffpunkt Paradies", von Hesba F. Brinsmead. Im Paradies-Kasino treffen sie zusammen: Gammler, Rocker, Halbstarke eines Melbourne Stadtteils und schließlich auch die von der Großstadt angelockte Ausreißerin Raylene – alles junge Leute, die hier auf der Suche nach "Kicks" sind (Sammelbegriff für ihre Art von Vorstellungenvon Glück und Unabhängigkeit). Ihre innere Unsicherheit kompensieren sie durch ihren Wahlspruch: "Wir sind die einzige Generation, die ihren Eltern von Geburt an überlegen ist." Die Handlung dieses neuen Romans der australischen Autorin über und für die junge Generation ist nur scheinbar lokal gebunden; tatsächlich umfaßt er auf fesselnde Weise und ohne das Angebot von Patentlösungen den ganzen Problemkomplex einer Jugend, die nichts mit sich anzufangen weiß, weil sie vollauf damit beschäftigt ist, unzufrieden zu sein und sich gegen jegliche Art von Autorität aufzulehnen. (Ueberreuter Verlag, Wien; 207 S., 12,80 DM).

Hildegard Krahé

"Der Löwe Leopold", von Reiner Kunze. "Fast Märchen, fastGeschichten" nennt DDR-Lyriker Reiner Kunze ("Sensible Wege") seine Phantasien am heimischen Greizer Kamin. Sie wurden "für Marcela, diesen Plagegeist" geschrieben, die sich beim Dichtervater ein Buch bestellte. So entstanden also die Stücke vom Spielzeuglöwen Leopold, der sich eines Tages von Holzlöwen in einen richtigen Löwen verwandelt, was die Polizei ebenso ungehörig wie unerlaubt findet; vom papierenen Drachen Jakob, der ein krankes Kind erfreuen soll, der aber ob seines unvorschriftsmäßigen Formats den Instanzerapparat der Post in arge Schwierigkeiten bringi; vom. Jungen Ludwig, der von einer ganzen Stadt gesucht wird; vom Ton Dis, der einem Abendlied verlorengegangen ist und in anderer Musik üble Verwirrungen anrichtet. Selten waren in einem Kinderbuch so viele Behörden tätig wie in diesem. Kunzes hintersinnige Phantasien liefern Variationen über das Thema Individuum und Gesellschaft kostümiert in märchenhafte Geschichten, wie sie Marcela liebt und gewünscht hat. (S. Fischer Verlag, Frankfurt; 10,– DM) Eckart Kleßmann