Hamburg

Bis zum 30. November, Galerie von Loeper: Stadtlandschaften"

Mit ihrem Zyklus der neuen Landschaft, den sie im letzten Dezember angefangen hatte, ist die Hamburger Galerie jetzt beim Thema der Stadtansicht angelangt. Es sieht ganz danach aus, als ob die Vedute, ein Lieblingskind des 18. Jahrhunderts und durch die einsetzende Italientouristik favorisiert, heute einer neuen Blüte entgegengeht. Sogar die technischen Hilfsmittel für die topographische Exaktheit lassen sich vergleichen. Die alten Vedutenmaler arbeiteten weitgehend mit der Camera Obscura. Heute wird die Photographie als authentisches Ausgangsmaterial für die serigraphierte Stadtansicht eingesetzt, um alsbald in den folgenden Arbeitsgängen die topographisch gesicherte Basis wieder preiszugeben, durch wechselnde Farbkonstellationen, durch Verwischungen, Überschneidungen, durch unterschiedliches Akzentuieren oder Weglassen die unbegrenzte Variabilität eines vorgegebenen Objekts zu demonstrieren und dieses Objekt für jedes beliebige Konzept verfügbar zu machen. Ein glänzendes Beispiel für die subjektive Auffächerung einer realen Stadtsituation bietet Diter Rot mit seinen sechs "Picadillies" und den vier Variationen zum "Heidelberger Schloß". Daneben sieht man Stadtansichten von Otto Piene (aus der Mappe "Pax"), von Wolf Vostell, von Stefan Wewerka, der die Frauenkirche und andere Münchner Sehenswürdigkeiten in akribischer Vedutenmanier abzeichnet, nur daß er Fassaden und Türme abknicken läßt und wie seine Tische und Stühle in die Schräglage zwingt. Das Interesse für die Vedute geht, das dokumentiert die Hamburger Ausstellung, quer durch alle Stile.

Keddinghausen

Bis zum 6. Dezember, Kunsthalle: "Wilhelm Loth"

Eine Retrospektive zum 50. Geburtstag von Wilhelm Loth, weit über 100 Skulpturen aus den Jahren 1950 bis 1970, dazu Dutzende von Zeichnungen und Lithographien. Eine derart breite, ja lückenlose Darbietung erhöht sowohl den Respekt wie die Skepsis, die dieses Werk dem Betrachter abverlangt. Zwanzig Jahre lang hat Loth sein ursprüngliches Konzept nur unwesentlich modifiziert, man kann diese Haltung mit Vokabeln wie Konsequenz, Beständigkeit, Solidität belegen oder weniger schmeichelhaft als Immobilität und Bequemlichkeit bezeichnen. Loth versteht seine Plastik als Hinweis auf den menschlichen, speziell den weiblichen Körper, er formt anthropomorphe Landschaften mit Hügeln, Buckeln, Mulden und Graten, die quasianatomische Korrespondenzen zu Brüsten, Schenkeln, Lippen darstellen. Diese Doppeldeutigkeit, die Ambivalenz figurativer und abstrakter Vorstellungen spielt eine dominierende Rolle im Problembewußtsein der fünfziger Jahre, mit seinen Reliefs zum Thema Torso und den verschiedenen Torsi-Gruppen vor und kurz nach 1960 hat Loth exzellente Beiträge dazu geliefert. Inzwischen hat sich die Spannungsintensität auf die rein formale Aufgabe reduziert, den plastischen Dualismus von hart und weich, von Oberfläche und Kern, von organoiden und starren Elementen bis zu den "Busen-Schoß-Objekten" von 1970 durchzuspielen.

Gottfried Sello